Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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Mar Samuel Reinheit und ihrem Ansehen zu erhalten, entsprechen auch die strengen Anforderungen, die Samuel an sich seiht und an die Richter und Lehrer überhaupt stellte. Der Richter muss nach Samuel im Rechtsprechen eine Gewissenhaftigkeit beobachten, die auch den geringsten Schein von Bestechlichkeit und Parteilichkeit vermeidet. Als ihm einmal Jemand beim Gange über eine Brücke die Hand zur Stütze reichte, wollte er einen Rechtsstreit, den der Betreffende hatte, nicht zur Entscheidung übernehmen, aus Befürchtung, durch die ihm bewiesene Zuvorkommenheit bestochen,” sich zu dessen Begünstigung geneigt fühlen zu können 250. Mit derselben Vorsicht solle auch der Lehrer bei religionsgesetzlichen Entscheidungen verfahren, die er nur dann zu treffen unternehmen dürfe, wenn er von den betreffenden Lehren vollständige und klare Kenntniss besässe251. Der Lehrer soll — so lehrt Samuel — in seinen Handlungen nicht immer den Buchstaben des Gesetzes, sondern zuweilen das Gewissen um Rat fragen, das oft über eine Handlung ein Verdammungsurieil fällt, die der Arm des Richters ungestraft lässt. Er soll ferner nicht in Handel und Wandel Andern gegenüber zu sehr auf strenges Recht pochen, sondern freudig zuweilen auf sein rechtliches Eigentum Verzicht leisten252. Zu den notwendigen Eigenschaften eines Gesetzeslehrers zählt Samuel endlich eine eifrige Wahrheitsliebe, der jede heuchlerische Verlogenbeit verhasst und verabscheuens־würdig ist 258. Der Eifer, mit welchem Samuel für seine Nebenmenschen tätig war, die Liehe und die freundliche Teilnahme, die er ihnen stets entgegeotrug, wurden noch übertroffen von seinem nie ermattenden Eiter im Dienste Gottes und von seiner treuen Anhänglichkeit und Liebe zur Lehre Gottes. Nur durch Gottesdienst uni Forschen in der Gotteslehre erlangt der Mensch nach Samuel’s Ausspiüchen ein Recht auf das Dasein; vernachlässigt er diese Pflichten, so ist er, weil nicht seiner Bestimmung gemäss lebend, oder, wie sich Samuel selbst ausdrückt, weil aus dem von Gott für das wahrhaft menschliche Leben bestimmten Elemente geschieden, gleich dem Fische, der das Wasser verlässt, als nicht lebend zu betrachten254. Wer auch