Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Mar Samuel 41 ihm die Liebe und Verehrung seiner Nebenmenschen zu verschaffen. Ungeachtet der hohen gesellschaftlichen Stellung, die er einnahm und der Geistesgrösse, wodurch er unter seinen Zeitgenossen hervorragte, war dennoch jeder Stolz, jede Ueberhebung und Selbstüberschätzung seinem ganzen Wesen fremd; er brachte im Gegenteil eine anspruchslose Bescheidenheit in Lehre und Leben zum Ausdrucke. Die Schule des Patriarchen Hillel, jenes Musterbildes der Bescheidenheit, wurde von Samuel besonders gepriesen und verherrlicht. *Drei Jahre“ lautet ein Ausspruch von ihm, ..controversiert-on die Schulen Hillel’s und Samums mit einander, bis endlich eine göttliche Stimme;rief: ״Die Lehren beider Schulen sind Worte eines lebendigen Gottes, aber für die Praxis ist die Schule Killers massgebend“. .,Warum geschah dies? Weil die Killeliten sanft, bescheiden und duldsam waren und es nicht verschmähten, neben ihrer eigenen Meinung stets auch die Ansicht ihrer Gegner vorzutragen, ja letztere sogar der eigenen vorauszuschicken231 ״. Dem Beispiele der Hilleliten folgenö, war auch Samuel in seinem Streite bescheiden und vertrug auch Widerspruch gern. Er beharrte nie hartnäckig auf seiner Meinung, sondern nahm sie sogleich zurück, sobald er von deren Irrtümlichkeit überzeugt war232. Er machte öfters seinem Gegner das Zugeständnis, dass dessen Ansicht dem Verstände einleuchtender sei, als die seinige und rechtfertigte jene gegen die von Andern erhobenen Ein wände233. Und wie bescheiden und anspruchslos war sein öffentliches Auftreten! Die angesehene Familie Schein, welcher nach altem Herkommen bei der Huldigung des Exilarchen der Vortritt eingeräumt wurde, hatte dieses Vorrecht an Samuel abgetreten. Dieser jedoch, der bei jeder Gelegenheit nicht nur vor Hab, sondern auch vor dessen Schüler B. Assi zurücktrat, überliess auch diese Ehre seinem Freunde Hab. den er wie einen Lehrer ehrte234. Er war gewohnt Jedem, von dem er auch nur eine Sache gelernt hatte, öffentlich seine Achtung zu bezeugen, verschmähte es nie, selbst von solchen, die ihm tief untergeordnet waren, Belehrung anzunehmen235 und, um auch seine Schüler zu einem solchen Verhalten zu ermuntern, wies er ihnen nach, dass viele im Munde des ge-