Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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4G Mar Samuel sollen nicht auf den engen Kreis seiner Glaubensgenossen beschränkt war, sondern auf alle Menschen ohne Unterschied der Religion sich erstreckte; haben wir ja schon oben gesehen, wie er mit heidnischen Männern der Wissenschaft vertrauten Umgang gepflogen und den freundschaftlichen Verkehr zwischen Juden und Heiden zu befördern gestrebt hatte. Aber auch an vortrefflichen Lehren liess er es nicht fehlen, um diese Huldsamkeit zu verbreiten. ״Es ist verboten, einen Menschen, mag er Jude oder Heide sein, auch nur durch Worte zu hintergehen22.״ ״Vor dem Richterthrone des Weltenschöpfers waltet kein Unter1 schied ob zwischen Juden und Heiden, da ja unter letzteren sich ebenfalls edle und tugendhafte Männer befinden“ ‘226. ״Man hüte sich besonders, in Gegenwart eines Proselyten Verachtung und Geringschätzung gegen Heiden kundzugeben; denn ist auch bei jenem der angestammte Glaube durch seine späteren Ueber- Zeugungen verdrängt worden, so muss doch jede Unduldsamkeit um so mehr sein Herz verwunden, als er es am meisten fühlt, wie diejenigen, welche, treu den in ihrer zartesten Jugend eingesogenen Lehren und Anschauungen, ihrem Irr- und Aberglauben anhangen, mit Unrecht verachtet und verfolgt werden“ 227. Diese und ähnliche Lehren wurden von Samuel ausgesprochen228. Ebensowenig wie auf das religiöse Bekenntnis blickte er auf den Stand bei der Betätigung seiner Menschenliebe. Seiner Menschlichkeit und gewissenhaften Rechtlichkeit in der Behandlung der Sklaven wird gewiss niemand die Bewunderung versagen, der bedenkt, dass in jener Zeit selbst bei den gebildetsten Völkern der Sklave nur als eine Ware betrachtet wurde. Samuel lehrte durch Wort und Tat, dass man auch in den Sklaven die Menschenwürde achten müsse und dass sie nur zum Dienste aber nicht zur Herabwürdigung und ehrenkränkenden Behandlung dem Herrn anvertraut seien229. Als ihm einmal eine Sklavin geraubt wurde und er sie im Gedanken aufgegeben hatte, hielt er sich aus diesem Grunde verpflichtet, ihr später, nachdem er sie durch Lösegeld wieder erlangt hatte, einen Freibrief zuzustellen230. Mehr noch als seine Selbstlosigkeit und sein herzgewinnendes Wohlwollen trugen seine Bescheidenheit und Sanftmut dazu bei.