Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Mar Samuel bewog seinen ebenso durch Frömmigkeit wie durch Geiehrsamkeit ausgezeichneten Schüler Simon b. Abba, der ein Babylonier und mit Samuel verwandt war, eine Tochter desselben zu heiraten. Doch sie starb bald nach der Vermählung und ebenso wurde ihre Schwester, die Simon nachher heiratete, durch einen frühzeitigen Tod ihm entrissen311. Der unglückliche Vater ertrug sein Geschick mit Ruhe und Geduld. Nicht lange vorher hatte sein Bruder Pinchas einen ähnlichen Trauerfall zu beklagen. Samuel ging, um seinen Bruder zu trösten, und als er in dessen äusserlicher Erscheinung die Trauer allzusehr ausgedrückt fand, konnte er sich nicht enthalten, sein Befremden hierüber zu äussern. ״Würdest du denn so gleichgültig sein, wenn dir ein solches Unglück begegnete“, fragte Pinchas und — so fügt die Quelle hinzu — gleich als wäre einem Herrscher ein unheilvolles Machtgeböt aus Versehen entschlüpft, wurde auch wirklich Samuel bald von einem solch harten Schlage getroffen212. In Palästina schrieb man dies Unglück einer alten Sünde zu, die Chanania, der Brudersohn des R. Josua begangen, indem er in Babylonien Monatsanfänge bestimmt und Schaltjahre eingesetzt hatte213. Man konnte es sich nicht anders erklären, wie es denn kam, dass der hochverehrte, tugendhafte und sündenlose Mar Samuel von der Hand Gottes so schwer getroffen wurde. Man wagte nicht, auch nur daran zu denken, dass an diesem reinen Tugendbilde irgend ein Makel hafte; ja man erzählte, dass einem Manne, der sich über Mar Samuel nach dessen Tode tadelnd geäussert hatte, auf der Stelle von einem herabgestürzten Balken der Hirnschädel zerschmettert worden wäre; so furchtbar hätte Gott eine Verletzung der Ehre dieses Frommen bestraft 214. Einer solchen allgemeinen Verehrung hatte sich Samuel, wie kein Anderer, durch seine Taten verdient gemacht. Keiner war gleich ihm stets für das Gemeinwohl besorgt und diesem seine eigenen Interessen aufzuopfern bereit. Sein Vater Abba diente ihm hierin als leuchtendes Vorbild. Dieser hatte es als seinen Beruf angesehen, für das Wohl Anderer zu sorgen und durch Liebesdienste seinen Nebenmenschen nützlich zu sein-