Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Mar Samuel Der Charakter des Sassanidenkönigs Schabur (Sapores) I. erscheint uns in den jüdischen Quellen in einem ganz anderen Lichte als in den römischen, und die Geschichte ist gewiss nicht berechtigt, den Zeugnissen der durch die bitteren Kränkungen über die erlittenen schmählichen Niederlagen zum leiden־־ schaftlichsten Hasse aufgebrachten römischen Schriftsteller mehr Glauben zu schenken als den schlichten vorurteilsfreien Er- Zählungen der babylonischen Juden. Während Schabur von den Römern als ein treuloser, stolzer und grausamer Tyrann geschildert wird186, so ist in den jüdischen Quellen von allen diesen keine Spur zu finden. Hier erscheint er vielmehr als ein Wohltäter der Armen, als ein Freund der Weisen und als ein milder schonungsvoller Herrscher, der selbst im schrecklichen Kriege das Gebot der Menschlichkeit, nicht ganz ausser Acht lässt187. Dieser König nun war ein Freund und Verehrer Samuels. Er liebte den Umgang mit dem jüdischen Weisen, pflog öfters Unterredungen mit ihm und erbat sich nicht selten seinen weisen Rat188. Von diesem Einflüsse machte Samuel den edelsten Gebrauch, indem er das Herz des Königs für seine Glaubensgenossen zu gewinnen suchte, und seiner Fürsprache ist es gewiss zuzuschreiben, dass Schabur die Juden nicht nur mit Milde behandelte, sondern sogar mit Gunstbezeugungen überhäufte. Er zeigte ein Interesse für den-Glauben, die Gesetze, Sitten und Gebräuche der Juden und wohnte teilnahmsvoll ihren fröhlichen Spielen am Hüttenfeste bei189. Eine vom Talmud mitgeteilte Unterredung zwischen ihm und Samuel190 lässt vermuten, dass Schabur zu seinem projektierten Kriege gegen die Römer auf eine kräftige Unterstützung von Seiten der Juden rechnete. Dass ihm diese auch wirklich zu Teil geworden ist, beweist die Versicherung, die er Samuel gab, dass er niemals einen Juden getötet habe191, obwohl er bäufig durch von Juden bevölkerte feindliche Gegenden seinen Zug nahm, die dem römischen Reiche mit Treue anhingen. Hätte nicht Odenat, der tapfere Bürger von Palmyra, den Eroberungen Schabur’s ein Ziel gesetzt, wer weiss, ob dieser nicht den Juden ein zweiter Cyrus geworden