Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IS David Hoffmann deutungen immer neuer und anderer Art dem zu Leitenden das Gewissen zu wecken. Seine Demut entsprang nickt dem Quietismus und der Schwäche : Wie es von Mosche heisst יו האיש משה ענו מאד dass jener tapfere, starke Mann Mosche sich die Tugend der Demut abrang, so Hoffmann: Des eigenen Wertes wohl bewusst, hat er die Neigung dies je in irgendeiner Form zum Ausdruck zu bringen, bekämpft, in Demut sich selbst bezwungen. Von seiner Willensstärke, die allein schon das schier übermenschliche Pflichtbewusstsein bezeugt, wrären von denen, die ihm nahe stehen durften, zahllose Beispiele beizubringen. Doch diese Dinge sind zu zart, als dass sie selbst nach seinem Tode hier veröffentlicht werden dürften. Sie bewies er auch in der Erfüllung der besonderen jüdischen Pflichten. Das alles trat nicht 80 in die Erscheinung, weil das Prophetenwort הצנע f:Ä לבת עם אלקיך ihm gebot Kampf und Sieg keusch zu verbergen. Er nahm das Kohelethwort zur Richtschnur אל תצדק הרבה, er hat nicht Rabenu Tam’s Tefiliin gelegt und mancherlei andere Dinge gelassen, die über die in unserem von den Weisen und Rabbinen ausgebauten Gottesgesetz niedergelegten Pflichten und Bräuche hinausgehen. Aber was uns geboten, das hat er mit einer Treue und Hingabe, einer Kraft und Stärke erfüllt, die seiner Weisheit würdig war. Einen deutlichen Einblick in diese Art seines Wesens erhielten wir in dem letzten Jahre seines Lebens. Es wird stets zu unseren-wehmütig-stolzesten Erinnerungen gehören, dass wir Zeugen sein durften dieses erhabenen Kampfes zwischen Geist und Materie, zwischen der Seele und dem Körper. Wie | dieser körperlich völlig verbrauchte Greis sich noch mühte, auch das kleinste der Gebote zu erfüllen, wie e r, dem es so schwer wurde, sich nur vom Sitz zu erheben, die Kraft aufbrachte, vor seinem Schöpfer im Gebet wie der Jungen einer zu stehen, das hat sich für immer in unseren Sinnen eingegraben und wird uns mahnend und fördernd auf unserem Lebenswege begleiten. Und wie die Persönlichkeit in ihrer Ganzheit auf die Schüler gewirkt hat, dass sie bei der Nachricht von dem Tode des Mannnes, der als Lehrer nie um ihre Liebe geworben, soweit