Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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David Hoffmann ,19 sie überhaupt nur die Möglichkeit hatten, alle wie zu einem Vater herbeieilten, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, so hat auch seine Lebensarbeit sie beeinflusst und wird auch, dessen sind wir sicher, noch lange lebensspendend und fruchtbringend sich bewähren. Es ist nicht wesentlich, dass dies gerade in der Fortsetzung der Behandlung der von Hoffmann gestellten und nach dem Wissen seiner Zeit von ihm gelösten Probleme geschieht. Wie jedes Ergebnis der Wissenschaft wird auch die Arbeit Hoffmanns zum Teil in den Hintergrund treten. Der Panbabylonismus hat z. B. die Grundlagen der Wellhausenschen Theorie endgültig erschüttert und darum manches aus den Schriften Hoffmanns entbehrlich gemacht. Wenn H. auch der unvergängliche Ruhm bleibt, dass er als erster jener geschlossenen Phalanx entgegenzutreten wagte. Worauf es ankommt, ist, dass der Geist wissenschaftlichen Strebens im Judentum lebendig bleibe, dass das Judentum die Religion der Vernunft bleibt. Trotz des modernen Strebens nach Mystik, das angesichts des Zusammenferuchs der Kultur im Weltkriege und seiner Folgezeit durch die Welt geht und in den verschiedensten Lagern auch bei uns seine Anhänger findet. Eine Religion der Vernunft, in der die Vernunft freilich ihre Grenzen nicht überschreitet, in der die transcendenten Fragen, die sie ihrer Natur nach nicht lösen kann, dem Glauben an die Ueberlieferung überlassen bleiben, in der die Bekenner sich mühen den Ausspruch 'כי אל דעות ה in jenem tiefen ׳Sinne zu ihrem Leitstern zu machen, in dem das Wort unserer Weisen es nimmt: Nichts erhabeneres denn die Erkenntnis, darum ist sie zwischen die beiden Gottesnamen gestellt. Grundläge und Ziel der Erkenntnis Gott! ״ Von Gott ausgehend und zu ihm zurückkehrend. Auf diesem Wege war Hoffmann unser grosser Führer. Den Einzigen haben wir verloren. Ihm nachzustreben, 8011 auch ferner unser Ziel sein. J. W.