Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 503 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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Philosophie des Organischen 503 *weil er Naturtatsachen in höherem Grad gerecht wird als der Mechanismus, deshalb ist er auch uns wertvoll. Er eröffnet nicht nur klare Einsicht in rein biologische Tatbestände; er wird auch das Verständnis der vielen Fragen anbahnen, die bisher nur vernachlässigt wurden, weil sie sich dem eigensinnigen Dogmatismus der mechanistischen Forscher nicht fügen wollten: der Phänomene des Okkultismus. Das Wort ist schlecht, und besser wäre es, mitDessoir und Driesch von Parapsychologie zu sprechen. Wir haben ein Interesse an diesen Dingen, weil vielleichtauch das Wesen derProphetie oder ihre biologisch-psychologischen Vorbedingungen verständlicher werden könnten. Geburt und Tod, Lehen und Unsterblichkeit, sie alle haben grundlegendes Interesse für die Religion. Was die Forschung zur Klärung dieser Fragen leisten kann, das haben wir in erster Linie vom Vitalismus zu erwarten, so dunkel auch für ihn die Fragen zur Zeit sind. Aber er ist die Lehre, die die zukünftige Bedeutung allein unter den streng exakten Richtungen erkennt, und damit erweist er seine Arbeitsfähigkeit. Schon hat Driesch über den Tod und die Fortdauer möglicher individueller Existenz gesagt, was möglich ist19); ich kann hier nur darauf hin weisen, dass der Tod das Tor zur höheren Metaphysik für ihn eröffnet. Wie reich ist also die Ernte des Todes, wenn er zu solchen Höhen führt. Anders als Hermann Cohen20), der den Vitalismus einen Kulturfehler nennt, schätzen wTir des Vitalismus Wert für den Fortschritt der Erkenntnis. Es ist kein Zufall, dass gerade der Vitalist Driesch den Unterschied zwischen Mensch und höchsten Affen für so gross hält, kein Zufall, dass gerade ihm das Verhältnis von Phylogenie und Geschichte in einer Weise erscheint, die den Menschen nicht zum Tier hinabzieht, sondern das Tier emporhebt. Aufgabe der Zukunft ist es, alles das für unsere jüdische Lehre fruchtbar zu machen, was in diesem Werk an Perlen Tuht. Wenn einmal jemand in unserm Kreis ersteht, der es 19) Die Wirklichkeitslehre, Leipzig 1917. 20) Logik der reinen Erkenntnis, p. 298.