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Jeschurun · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 501 (sequence 83)
Language
German
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Philosophie des Organischen 501 sich keiner den Finger stösst, es sei denn oben beschlossen. Die Konsequenzen des Occasionalismus und Drieschs sind freilich nicht identisch, und auch die jüdische* Religionsphilosophie geht da ihren eigenen Weg. Aber eine Aehnlichkeit im Ausgang ist doch unverkennbar. — Und endlich: Drieschs Ausführungen zum Freiheitsproblem wird die Anhänger des Indeterminismus nicht erfreuen. Aber es ist doch selbstverständlich, dass die Wissenschaft des Empirischen die absolute Freiheit ablehnen muss (das metaphysische Problem, ob das Werden des Wirklichen in Freiheit geschieht, lässt Driesch ja offen). Es gab ja auch jüdische Religionsphilosophen, die Deterministen waren. Doch will ich in diesem Zusammenhang nicht mehr dazu sagen. Warum stelle ich Drieschs Werk so hoch? Damit möchte ich mich im folgenden etwas eingehender befassen. — Zum ersten weil seine wissenschaftliche (und man darf nach guter Kenntnis seiner Werke beglückt sagen:) und menschliche Gestalt ein wahres Vorbild ist. Ein Denker, der ohne Aufdringlichkeit und Tendenz, vielmehr in eherner Gedankenfolge vom gemeinen Seeigel und seiner Morphogenese Schritt für Schritt durch Biologie, Philosophie bis zur Metaphysik vorschreitet und trotz seiner Skepsis gegenüber einer inhaltlichen Ethik, trotz der Inaktivität des Ich zu so hohen sittlichen aber schlichten Kundgebungen kommt, wie wir bereits einige genannt haben, der ist nicht durch Homiletik sondern durch Denkertum und Werk ein ethischer Mahner. Die blutige Ironie, mit der er gegen Schluss die ״Standpunktslehre״ bekämpft (s. 0.) und zu der Anschauung vieler: ״soviel Standpunkts, soviel Wahrheiten“ bitter hinzufügt: So etwas heisst man dann Liebe zur Wahrheit oder auch Philosophie, ist Ethos, und der Künder der Universalität, die ihm ein glückliches Geschick verliehen hat, ein guter Mahner in einer Zeit, die neben der Ueberbebung der Spezialforschung auch noch die der Verächter strengen Denkens und die Prediger der Intuition kennt. Mir will scheinen, dass unser jüdischer מוסר das berücksichtigen muss: dass es eine Ethik gibt, die nicht verkannt werden darf, die des schlichten Denkens. — Das Zweite, was mir das Werk wertvoll macht, ist aber 6

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