Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 497 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Philosophie der Organischen 497 dieser komplizierten Erörterung erwähne ich nur, dass es nach Driesch im Gegensatz zu Volkelt keine originäre Du-Gewissheit gibt. Das ״Du“ erlebe ich auf dem Umweg der Ganzheitsgewissheit. Ich weiss durch Naturbeobachtung von dem ganzheitlichen Charakter gewisser organischer Bewegungen (Handlung) und kenne bei mir die Zuordnung von Physischem und Psychischem. Das übertrage ich auf andere meinem Körper ähnliche und ihm analog handelnde Wesen. Logisch gewertet erfüllt die vitalistische Anschauung mit ihrer ganzheitlichen Kausalität, d. i. die ganz besondere Reaktionsweise organischer Körper, wie wir sie bei der Restitution und der Handlung kennengelernt haben, eine ganz besondere Ordnungsform. Driesch nimmt in die Tafel der Kategorien von Kant Ganzheit oder Individualität auf; im Gegensatz zu Kant sind ihm die Kategorien nicht Stammformen des menschlichen Verstandes sondern Ordnungsformen des Etwas d. h. der Objekte. Eine Kategorie ist nun legitimiert, wenn Erfahrung ohne sie nicht möglich ist. Das trifft für Ganzheit zu, da restitutive Prozesse und die Handlung ohne sie nicht befriedigend einzuordnen sind. Ganzheitskausalität wird bei Driesch einer der vier möglichen Typen von Kausalität, von denen ein anderer, die Einzelheitsverknüpfung, in der anorganischen Welt verwirklicht, ein anderer, die sogenannte Dingschöpfung — ein materielles יש מאין — nicht in der Natur auffindbar ist. Auf organisches Geschehen (speziell Formbildung) beschränkt Driesch den Begriff Entwicklung, während er die Veränderungen, die in der anorganischen Welt mit Mannigfaltigkeitserhöhung vor sich gehen, als Kumulationen bezeichnet, weil sie in regelloser Weise einem System von aussen hinzugefügt werden. Entwicklung in ihrer vorzüglichsten Form ist entelechial, während die einer Maschine präformiert oder nur scheinbar ist. Von den personalen schreiten wir zu den Ueber persönlichkeitsfragen. Da erhebt sich die Kriterienfrage: wann dürfen wir von Sachganzheit sprechen? Die Antwort lautet: Ganzheit