Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 495 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Philosophie des Organischen 495 wollen unter Substanz ein Etwas verstehen, das in seiner Qualität absolut unveränderlich ist, also das, ־wasim Wechsel des Geschehens wahrhaft beharrt. Wir haben dann im Biologischen zwei Substanzen. Wollte man nämlich im Reiche der Organismen nur von einer sprechen, so müsste es eine lebende chemische Substanz geben. Damit würde das entelechiale Prinzip materiecgebunden sein und extensive Eigenschaften erhalten, die nach den analytischen Resultaten der Biologie ihm unmöglich zukommen können. Der Hylozoismus (d. h. die Annahme, dass die Materie als solche belebt sei) wird von Driesch in jeder Form abgelehnt. Zur näheren Charakterisierung des Wesens der Entelechie und damit der Lebensprozesse dienen folgende Betrachtungen: DerStoffwechselist nicht die U r s a c h e sondern Wirkun g des־ Lebens, und die Forschungen der physiologischen Chemie treffen nicht das Wesen der Sache. Diese Wissenschaft ist vorderhand nur l’anatomie cadaverique des fluides (Bichat), die Leichenanatomie der Flüssigkeiten. Der Begriff der Teilbarkeit kann auf die Entelechie, als unräumliche Grösse, nicht angewandt werden; ebensowenig kann von ihrer Oertlichkeit oder ihrem Sitz geredet werden. Die schwersten Probleme für die Entelechielehre schlum' mern in den Fragen nach Ursprung und Ende des individuellen Lebens. Die strenge Forschung kann, im Gegensatz zum Spiritismus, so gut wie nichts über all das aussagen, so wünschenswert ihr Kenntnisse hier wären. Nur soviel lässt sich über den Tod sagen : es wird bei seinem Eintritt Materie, die vorher unter der Kontrolle der Entelechie stand, von dieser befreit und folgt nun ihren rein physiko-chemischen Gesetzen (das ist das Wesen der Auflösung oder Auto ly se, nicht die bakterielle Zersetzung). Dabei können wir z. B. die Frage nicht beantworten, ob sich die Entelechie aktiv oder passiv von ihrer Verkettung mit der Materie löst. Die Frage nach dem Ursprung des Lehens überhaupt, die so oft erörtert wird, gehört desgleichen zu den völlig verschlossenen Problemen. Gewiss ist nur, dass es keinem zufälligen Zusammentreffen anorganischer Faktoren das Dasein