Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 466 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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466 Untersuchungen über die Entwicklung usw. In jeder Disziplin ist die Kenntnis ihrer Geschichte mehr oder weniger förderlich für ein erfolgreiches Arbeiten. Denn alle Wissenszweige, ja alle wissenschaftlichen Gedanken haben eine Entwicklung hinter sich und sollten von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet werden, ln letzter Linie jedoch herrscht hier ein geschichtliches Interesse vor. Anders verhält es sich mit der Massora. Zwei Jahrtausende liegen zwischen ihren ersten schlichten Anfängen und dem ungeheuren, mannigfaltigsten Material, wie es heute vor uns liegt. Wer einige Seiten der grossen Ginsburg’schen Massora1} durchforscht, dem eröffnet sich sofort das bunte Bild der massoretischen Welt, die — als die Schöpfung von Jahr*- hunderten — auf Einheitlichkeit keinen Anspruch machen kann. Verzeichnisse ältesten Datums wechseln mit solchen ab, die das Produkt der jüngeren Zeit sind. Die einen Angaben haben ihre ursprüngliche Gestalt unverändert erhalten, andere wieder tragen die Spuren einer wechselvolien Vergangenheit. Während ,in den übrigen Disziplinen langjährige Ent- Wicklungen meist harmonische Durcharbeitung schufen, fehlt dem — von den Vertretern verschiedenster geistiger Richtungen gesammelten und erweiterten — massoretischen Material jede Geschlossenheit. Daher kann der Forscher in diesem Wissenszweige nur im engsten Zusammenhang mit der Geschichte sehen müssten, für die Herstellung und Reinerhaltung des massoretischen Textes zu sorgen, der nicht so rein erhalten ist, wie im allgemeinen angenommen wird und nur mittels der Massora seine wahre Gestalt erhalten kann. Das einzig Bedeutende auf massoretischem Gebiete wurde in den letzten zwei Jahrzehnten von Prof*. Paul Kahle, Giessen geleistet. Nun soll durch diese Arbeit wieder Interesse und Verständnis für die Massora in unsere Kreise getragen werden. D. H. ג) Chr. D. Ginsburg, The Massorah compiled from Manuskripts alphabeticaliy and lexically arranged. London Bd. 1—4. Der Verfasser hat aus den verschiedensten massoretischen Handschriften u. Werken -reichstes Material zusammengetragen; es fehlt jedoch wissenschaftliche Anlage und Verarbeitung.