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Jeschurun · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 462

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 462 (sequence 44)
Language
German
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462 Die Eeligionsphilosophie Hermann Cohen’s deutet,“ — heisst es an einer Stelle — ״dass die Natur Bestand hat, so gewiss die Sittlichkeit ewig ist29״). Cohen macht es anschaulich an der Variation der bekannten Lessing’schen Parabel: wenn der himmlische Vater niedersteigen würde, in einer Hand die Wahrheit, in der anderen das Suchen nach Wahrheit, Lessing würde kniefällig um das Streben nach Wahrheit bitten. Nein, sagt Cohen, ich erkenne den Unterschied der beiden Hände nicht an. Es gibt keine Wahrheit der anderen Hand. ״Was die Wahrheit für den Vater bedeutet, gehört nicht in den Umkreis unserer Probleme30)» Das Suchen nach Wahrheit allein, wie es in der Wissenschaftliehen Methode sich manifestiert, ist Wahrheit. ״Wenn man zwei Hände unterscheiden will, so gebe die eine Logik, die andre Ethik; aber beide geben kraft derselben Methode. Und diese Kraft gilt uns als Wahrheit“30). Das ist Cohens Gottesbegriff. Was dieser Begriff als Korrelation für die Idee der Menschheit bedeutet, diesem Leitgedanken seiner Ethik, das soll der Abhandlung selbst Vorbehalten bleiben. — Wie so in der Ethik das Einheitsstreben Cohens seinen Höhep unkt findet, so zeugt auch dort die aktualistische Tendenz seinen vielleicht feinsten Gedanken. — Die Schwierigkeiten der Kant’schen Ethik sind bekannt. Cohen entdeckt den Fehler im Begriff der Autonomie darin, dass das Selbst schon als etwas Gegebenes angenommen wird, während es doch nur eine Aufgabe, eine Stufe seiner Selbstverwirklichung ist, während doch erst die Handlungen das Ich schaffen und verwirklichen sollen. Autonomie, Selbstgesetzgebung, kann daher — so seine Worte — ״nicht mehr bedeuten: Gesetzgebung au& demSelbst, sondern Gesetzgebug zum Selb st“81). Mit diesem einen Wort hat H. Cohen die schwankende Ethik fest und sicher gegründet. Hermann Cohen ist Aktualist, nicht nur *0 Ethik S. 423. Ethik S. 86 siehe zu dem ganzen auch: Religion der Vernunffc 488 ft 3י) Ethik 332

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