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Jeschurun · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 458

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 458 (sequence 40)
Language
German
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458 Die Religionsphilosophie Hermann Cohen’s selbst zur Wissenschaft, indem er nicht Dinge und Vorgänge, auch nicht solche des Bewusstseins schlechthin, sondern ... die Tatsache der Wissenschaft selbst zu seinem Objekte macht“ 16)״ Nehmen wir noch hinzu, dass diese ״Tatsache״ vielmehr ein Tun, ein unanhaltsames Werden ist, so kommen wir schon zu dem Grundgedanken des Buches. Die Dinge sind nicht, sie entstehen, gestalten sich in dem ewigen Fortschritt der Wissenschaft. Der transcendentale Idealismus kennt in der Reihe der Erscheinungen kein erstes und letztes Glied. Wie bei der infinitesimalen Methode stellt jede Antwort eine neue Frage, jeder Näherungswert der Gleichung im ungelösten Rest die neue Aufgabe. ״Die Erkenntnisse bilden nicht ein abgeschlossenes System, ein Kapital toter Hand, sie sind nur, indem sie zeugen, das ist der Charakter des Idealen. Sie enthalten nicht nur das was ermittelt ist, sondern in sich zugleich das, was fraglich bleibt. Das ist der Charakter aller Begriffe, dass sie, indem sie Denkforderungen befriedigen, neue stellen. Es gibt keinen definitiven Abschluss. Jeder neue Begriff ist eine neue Frage, keiner eine letzte Antwort17 ״). Indem so die Begriffe in unendlicher Folge sich selber erzeugen, tritt hier der Unendlichkeitsbegriff in scharfes Licht. ״Es ist zwar nicht möglich, ins Unendliche zurückzugehen, aber es ist ins Unendliche möglich, zurückzugehen. Die Möglichkeit ist unendlich18 ״); und wie bei der mathematischen Erkenntnis wird gerade im Punkte des Uebergangs, im Status nascendi, im Moment des Erzeugens, in dem Augenblickserleben die ״Rea 1 i t ä t ״ fassbar, ergreif bar. So kommt hier die Tendenz der ״Aktualität״, der Versuch — sagen wir es mit unseren Worten — im Erleben, im Erschaffen, die Wirklichkeit zu fassen, zu letzter Ausweitung — und formt mit revolutionärer Kraft ein neues Weltbild. — Alle Starrheit des Seins ist in ein Werden i6) siehe dazu auch Plato’8 Ideeulehre u. die Mathematik Berlin 1878.?T) K. Th. d. Erf. 2. Aufi. 1895. **) K. B. d. Bth. Seite 11. mit Hinweis auf Kants Vernunftskritik & 366

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