Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 451 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Seligionspbiiosopliie Kerroann Cohen’s 451 welchen Ideen und Motiven der Schüler Kants zum Eigendenker reift, wie der äentgehe Philosoph, der sich zutiefst in die Kultur Europa’s versenkte, hi logischer Folgerichtigkeit seiner Ideen immer mehr dem Judentum sich nähert, wie sich ihm von scheirhar ganz fremdem, anders gerichtetem Ausgangspunkt der Begriff der Religion allmählich immer klarer kristallisiert, — der Religion, was ihm identisch wird mit jüdischer Religion — wde er dann auf dem Höhepunkte seines Schaffens, mit der Grünäliebkeif und liebevollen Hingabe des Forschers die historischen Quellen des Judentums selbst zum Gegenstand seiner Untersuchurgen macht, wie er schliesslich schon an der Schwelle des Greisenalters. noch leidenschaftlich ergriffen von dem Flügelschlag der neuen Zeit, dem geistigen Ringen und Streben um jüdische Werte und jüdisches Sein, selbst in die Reihen der Streiter tritt und mit scharfer, wehrhafter Feder in den Tageskampf der jüdischen Journalistik eingreift, das ist ein Kapitel zur Geistes- und Kulturgeschichte, des deutschen Judentums. Den Abschluss seines riesenhaften Gedankenbaus bildet da3 obengenannte letzte Werk, das er zu Lebzeiten vollendete (nach seinem Tode von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums heraasgegeben), in dem er eine philosophische Begründung der gesamten jüdischen Gedankenwelt zu geben unternimmt, ein in seiner Art ganz einzigartiger Versuch rein rationaler Ausdeutung aller religiöse 0 Werte und Begriffe, ein System der jüdischen Röligionsphilosophie. Hier müssen wir einen Augenblick innehalten. Philosophie ־wächst nicht im Eigensten des Judentums, eine Erscheinung, auffallend genug bei der so ausgesprochen abstrakten und kritischen Begabung unseres Volkes. Vielleicht ist die Einseitigkeil seiner religiösen Einstellung zu gross, vielleicht sein Sinn zu sehr auf die Tat gestellt, um an der Betrachtung zu haften, zu schwer ergriffen sein Herz von der Frage des ״Sollen“, um bei dem Problem des ״Seins“ stehen zu bleiben, zu stark sein Geist nach Erlösung ringend, um von der Lösung befriedigt zu sein. Wie dem auch sei, gilt hier nicht zu untersuchen. — Erst wo die Welt der Bibel mit