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Jeschurun · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 450

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 450 (sequence 32)
Language
German
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450 Die Religion&philosophie Hermann Cohen’s überwiegende Mehrheit seiner Fachgenossen steht noch immer teils unschlüssig, teils fremd, teils mit bewusster Ablehnung ihm gegenüber — die Gründe werden zu betrachten sein, — ohne Zweifel aber wird das unbefangene Urteil einer späteren Generation in ihm nicht nur den kongenialen Interpreten Eant’s, den Fortführer der Gedankenwelt, einen Trabanten dieses ■Gewaltigen, sondern einen souveränen Fürsten der ״reinen Erkenntnis״ den Systematiker der Philosophie (im ganz prägnanten Sinne des Wortes) anerkennen und würdigen. Dieser geniale Denker und Forscher, übrigens der Typ eines deutschen Gelehrten und Professors, ist nun Jude, nicht nur nach Name und Abstammung, nicht nur in den tieferen Bindungen .seiner Persönlichkeit, in der erst zu analysierenden Struktur -seines Geistes, in den Motiven seines Werkes, nicht nur aus Pietät oder Kompromiss, sondern mit der Liebe und Treue seines Wesens, er bekennt sich mit freiem Stolz, mit der strengen Klarheit philosophischer Erkenntnis zu den Lehren des Judentums, den ״unvergänglichen Ideen der Propheten״, er verkündet von dem Katheder einer deutschen Universität, mit dem Pathos eines •Kanzelredners, das doch in seinem Munde ganz anders klingt, dass מ-der Monotheismus des Judentums das unerschütterliche Bollwerk ist für alle Zukunft sittlicher Kultur,״ dass ״-der prophetische Monotheismus der Wegweiser der Menschheit .... das unerschütterliche Fundament der Entwicklung . . .״ (sc. der Religion}2) sei und bleiben müsse; und mit dem sittlichen Mut des Bekenners, scheut er sich auch nicht, die entsprechenden Begriffe der christlichen Religion (Idee des Mittlers, der Erb- Sünde u. a. m.) in ihrer methodischen und philosophischen Verfanglichkeit klarzulegen. Im letzten Drittel seines Lebens macht dieser so eminent jüdische Denker schliesslich das Judentum selbst zum Gegenstand seines Denkens, der jüdische Philosoph wird zum Philosophen des Judentums. Der jüdische und geistige Entwicklungsweg Hermann Cohens ist von mehr als nur biographischem Interesse. An 2) H. Cohen: Der Begriff der Religion im System der Philosophie Giessen 1915. Seite 121.

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