Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 449 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Religionsphilosophie Hermann Cohen’s 440 wird Hermann Cohens Werk, der GraBitblock seines Systems noch sichtbar ragen, ein Denkstein seiner Epoche, ein Markstein in der Geschichte der jüdischen Philosophie. Das sei voranbemerkt, ehe vir an unsere Darstellung, die eine kritische Einstellung bedingt, herantreten wollen. Kritische Einstellung, denn letzten Endes ist sein Judentum n i c h i das Judentum der Thora. So verwandt und vertraut uns die jüdischen Klänge berühren in der Polyphonie seiner Ideen, so nah seine persönliche Entwicklung ihn uns bringt, bei aller Anerkennung, die wir dem Denker, dem Menschen, dem ringenden Juden zollen, sei es klar hervorgehoben, ״die Religion der Vernunft“ ist nicht die Religion des Judentums. Nicht nur der Offenbarungsbegriff trennt uns, nicht nur die starke Ab״ hängigkeit von der protestantischen Kathedertheologie und ihrer Bibelerklärung — seine jüdische Mentalität ist die Mentalität der Assimilation, auch dort, wo er sie überwindet, das Streben nach r e s 11 0 s e r Ethisierung der Religion wandelt Urquellen leb endige n? warmen Glaubens zu monumentalen — Gedankenkonstruktionen. Dadurch wird er auch zum Theoretiker des ״Liberalismus“ der genialste Kopf, der dieser Idee erstanden, an der Schwelle ihres völligen Niedergangs, der sie zur Weltanschauung vertieft und — überwunden hat. Denn dass die konsequente Wortführung seiner Gedanken das innere Recht des überlieferten Judentums erweist, dass sie die philosophische Position des ״Liberalismus“ in seinem Fundament erschüttert, das wollen wir zu zeigen versuchen. Erst aber müssen wir wissen, wer Hermann Cohen war, als Denker, ale Jude, als ״Philosoph des Judentums“. Die Geschichte der modernen Philosophie weist eine stattliche Anzahl jüdischer Namen auf, von Spinoza bis zu Bergson bin, Könige und Karner im Reiche des Geistes, — mit in vorderster Reihe steht Hermann Cohen. Zwar hat er niemals Popularität erlangt — auch nie danach gestrebt — selbst die