Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 434 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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434 Mar Samuel getrübten Himmel gestattet und die Pflege dieser Wissenschaft 80 ausserordentlich begünstigt. Die Bewohner dieser Gegenden haben auch mehr als andere Völker mit astronomischen Beobachtungen sich beschäftigt und wegen ihrer Kenntnisse auf diesem Gebiete in hohem Ansehen gestanden. Von der Stadt Kehardea, dem Wohnorte Samuels, wird uns von Plinius besonders berichtet, dass sie der Sitz der Hipparener, einer berühmten Sekte der chaldäischen Weisen, gewesen sei09. In diesen Regionen mögen auch die Juden sich mit der astronomischen Wissenschaft befreundet und vielfache Kenntnisse in derselben erworben haben, die besonders bei dem Patriarchenhause in Palästina, das aus diesem Lande stammte, sehr bedeutend erscheinen60, und hier pflegte auch Samuel mit gewohntem Eifer diese erhabene Wissenschaft. Während aber bei den Chaldäern, wie überhaupt bei den meisten Völkern im Altertume, die Sternkunde mit der Astrologie, jener trügerischen Wissenschaft, die aus der Stellung der Gestirne das Schicksal des Menschen Vorhersagen zu können vorgibt, enge verknüpft war, ja durch diese letztere erst ihre eigentliche Bedeutung erhalten hatte, wurde ihr bei den Juden eine viel höhere Weihe gegeben. Das Studium dieser Wissenschaft wurde für eine religiöse Pflicht erklärt, weil sie zur Erkenntnis der göttliehen Allmacht und Allweisheit führt. Bar Kappara, einer der vorzüglichsten Schüler R. Juda ha-Nasi’s, lehrte: Wer den Lauf der Gestirne zu berechnen weiss und dies zu üben unterlässt, auf den ist der Ausspruch des Propheten zu beziehen: ״Die Werke Gottes schauen sie nicht und seiner Allmacht Schöpfungen betrachten sie nicht (Jesajas V, 12 61). In demselben leiste lehrten auch andere Gesetzeslehrer, dass es verdienstlich sei, astronomische Beobachtungen anzustellen 62. Die Worte dieser Lehrer beherzigend, beschäftigte sich auch Samuel hauptsächlich nur um des erhabenen Zweckes willen mit der Sternkunde und pflegte nur die wissenschaftliche Seite derselben. Er verkehrte wohl, um sein Wissen zu vermehren, mit heidnischen Astrologen, hatte sogar einen Astrologen, namens Ablat, zum vertrauten *Freunde65; äusserte sich jedoch tadelnd über diejenigen seiner