Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 426 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Mar Samuel nicht ohne Bedeutung gewesen sind. Babylonien ist das Land, in welchem das Judentum einen neuen Entwickelungsgang durchgemacht und sich für sein spateres Auftreten in Europa gehörig vorbereitet hatte. Bald nach der Zerstörung des zweiten Tempels finden wir einen hervoragenden Gesetzeslehrer, Namens R. Jehuda b. Batira5, in Nisibis6; ebenso hatte in Nehardea, der Hauptstadt des jüdischen Babylonienד, ein Traditionslehrer seinen Sitz. Der berühmte palästinensische Gesetzeslehrer R. Akiba, der vor dem Bar-Kochba-Kriege Babylonien bereiste, hatte in dieser Stadt einen Schüler des R. Gamliel ha-Saken, Namens Nehemia aus Beth-Deli, gefunden und mit ihm über wichtige Gesetzeslehren sich unterredet 8. Noch mehr aber ward nach dem letzten Kriege unter den hadrianischen Verfolgungen palästinensische Gelehrsamkeit in Babylonien verbreitet. Viele Gelehrte flüchteten sich dahin, um der über ihrem Haupte schwebenden Gefahr zu entgehen. Der ausgezeichnetste unter diesen, Chanania, der Brudersohn des R. Josua, der ״keinen seinesgleichen in Palästina zurückliess“, hatte in Pumbadita9 eine weitberühmte Schule und ging schon mit dem Plane um, Babylonien von Palästina ganz unabhängig zu machen. Obwohl er, als man ihm vorstellte, welch’ ein heilloses Schisma dadurch im Judentum entstehen würde, von seinem Vorhaben abstand, setzte er dennoch seine Lehrtätigkeit fort10 und bald war die Gesetzeskunde in Babylonien so einheimisch, dass die in diesem Lande herangebildeten Gelehrten auch in Palästina als hervorragende Grössen betrachtet wurden. R. Nathan, der Sohn des Exilarchen, berühmt durch seine tiefe Kunde des jüdischen Rechts, durch die von ihm gesammelten babylonischen Haiachoth (Mischnath de Rabbi Nathan) und durch andere von ihm verfasste Werke 11; R. Chija b. Abba aus Kafri 12, der selbst dem Patriarchen R. Juda, dem Heiligen, als ein ״aus fernem Lande gekommener Mann des Rates“ erschien18; R. Joseph ha-Babli14 und andere klangvolle Namen sind die Zeugen von dem zur damaligen Zeit herrschenden regen geistigen Streben in Babylonien. Aber noch immer hatte die