Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 425 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mar Samuel 425 zerfleischt und nur der Geist des Judentums trotz allem Wüten dieser Zerstörungsmächte unversehrt geblieben war, glich das kern hafte, ungebrochene und unbehelligte jüdische Babylonien einem Körper ohne Seele. Doch nach einer langen Unstern Nacht rötete sich der Osten und bald ward dort hellstrahlendes Licht sichtbar. Durch heftige Stürme, die über Palästina hereinbrachen, wurden einzelne Kulturelemente nach den östlichen Nachbarländern verschlagen, die, in den empfänglichen und fruchtbaren Boden gesenkt, sich rasch vermehrten und nach allen Seiten hin ausbreiteten. Durch ein die geistige Arbeit vieler Geschlechter in sich fassendes Riesenwerk, clas in Palästina zu Stande gebracht, bald auch im Auslande allgemeine Verbreitung fand, wurden Forschung und Stuäium daselbst angeregt. War einmal hierdurch dem jüdischen Geistesleben in Babylonien die Bahn gebrochen, so wurde es durch einige ausgezeichnete Männer bald zu einer solchen Höhe emporgehoben, dass dadurch das Mutterland überflügelt und der Mittelpunkt des jüdischen Geistesstrebens nach den Euphrat- und Tigrisländern versetzt war. Als daher später durch die systematischen Bedrückungen und Verfolgungen der Römer Judäa immer mehr verarmte und verkümmerte und daseihst der letzte Schimmer von Geistestätigkeit verschwand, hatte diese schon eine neue Zufluchtsstätte gefunden in den Ländern, die Roms Macht nie zu bezwingen vermocht, und da erhielt sich das Judentum noch viele Jahrhunderte in blühender Frische, während sein übermächtiger Feind in Schwäche dahinsiechte und von innerer Fäulniss nach und nach zersetzt und aufgelöst wurde. Hierauf diesem neuen Schauplätze der jüdischen Geschichte nahm der Hauptgegenständ der damaligen jüdischen Geistestätigkeit, die jüdische Gesetzeslehre, eine den vielfachen Innern und äussern Bedürfnissen der unter andern Völkern lebenden Juden entsprechende Erweiterung an; hier wurde die Saat ausgestreut für die jüdisch© Wissenschaft, die wir später in Europa, besonders in Spanien, in herrlichster Blüte an treffen: und hier entstanden die Geisteswerke, welche auf die spätere jüdische Geschichte den grössten Einfluss ausgeübt haben und auch für die Geschichte überhaupt