Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 423 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mar Samuel 42a Unter diesen Fürsten fühlten sich die Juden gewissermassen selbstständig, da sie gegen den Landesherrn keine weiteren Yerpflichtungen hatten, als gewisse Steuern zu entrichten, und ihr Zustand war zu jeder Zeit um Vieles erfreulicher als derjenige der palästinensischen Juden. Selbst nachdem die Heldenfamilie der Makkabäer die vollständige Unabhängigkeit ihres Volkes erkämpft hatte, hören wir von keiner massenhaften Auswanderung der Juden aus Babylonien nach dem heiligen Lande. Die Friedenszeit unter Simon, in welcher ״jeder unter seinem Weinstocke und unter seinem Feigenbäum sass* und die glücklichen Tage unter Hyrkan L waren nur von kurzer Dauer und die Juden des Exils mochten die stürmischen und erschütternden Ereignisse, die der kurzen Glanzperiode unmittelbar folgten, im Voraus geahnt und daher den sichern Hafen nicht verlassen haben. So lebten die Juden viele Jahrhunderte in Glück und Frieden ungebeugt und ungebrochen, und alle die Kriege und Unruhen, alle die Drangsale und Verheerungen, welche Palästina während des Bestandes des zweiten Tempels und nach dessen Zerstörung in ein Jammerhai verwandelten, gingen an ihnen spurlos vorüber oder erregten nur ihr mitleidiges Gefühl für ihre unglücklichen Brüder im Westen״ Jedoch scheint dieser materielle Wohlstand der babylonischen Juden keinen vorteilhaften Einfluss auf ihr geistiges Leben ausgeübt zu haben. Im ״Lande der Finsternis* ist während einer Zeit von mehreren Jahrhunderten kein einziger Lichtstrahl wahrzunehmen, gibt der Geist durch kein einziges literarisches Er- Zeugnis irgend ein Lebenszeichen von sich, und es hat diese grösste und reichste Kolonie 80 recht einen scharfen Kontrast gebildet mit einer andern, der ägyptischen nämlich, wo die Juden in Kultur und Wissenschaft mit den Griechen wetteiferten, ihre Gotteslehre, in die damalige Weltsprache übertragen, allen Völkern vorlegten und, mit den Waffen des Geistes sie gegen alle Feinde siegreich verteidigend, ihre allgemeine Ausbreitung zuerst anbahnten. \ Und doch waren gerade in Babylonien die Blüte und der Adel der jüdischen Nation sesshaft8; es war dort der Keim zu