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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 418 (sequence 76)
Language
German
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418 Bücherbesprechungen. bei ihrer vielseitigen Betätigung noch genug Kraft und Freude Übrig haben für diejenigen Aufgaben innerhalb des Familienkreises, die nach wie vor ihnen und nur ihnen obliegen können. — In dem letzten Vortrag wird das Problem der Erziehung, vor allem der Kernpunkt dieses Problems behandelt; ob als Ziel der Erziehung mehr die straffe Disziplinierung oder die schrankenlose Entfaltung der Schülerpersönlichkeit vorschwebt, ob das Kind zur Demut und Unterordnung oder zur stolzen Selbstbeherrschung erzogen werden soll. Dass im Judentum die Persönlichkeit des Schülers stets zur Geltung gekommen ist, zeigt der Ausspruch: ״Es sei dir die Ehre deines Schülers so teuer wie deine eigene.״ Und das eigenartige Verfahren beim Taimudstuuium, die Methode. bei der Lehrer und Schüler in freiem Wettbewerb die Anwendung der allgemeinen Rechtslehren auf den einzelnen Fall, den Ausgleich schwer vereinbarer Bestimmungen, die Ableitung mündlicher überlieferter Vorschriften aus dem Bibel wort finden, sie hat sich erhalten bis auf den heutigen Tag. So hat die jüdische Anschauung bei aller Betonung der Autorität und der Ehrfurcht vor dem Lehrer auch stets der Individualität des Schülers Rechnung getragen. Es ist zu wünschen, dass die Heinemanm sehen Vorträge namentlieh unter der gebildeten Jugend recht ־weite Verbreitung finden- Sie können sicherlich zu einem tieferen Verständnis der jüdischen Welt- und Lebensauffassung viel beitragen. Rabbiner Dr. Unna. Rabindranath Tagore, Sadhana der Weg zur Vollendung. München Kurt Wolff 1921. Wir verweisen freudig auf diesen Denker, er vermittelt ein in eich geschlossenes Weltbild und der Adel seiner Gedanken kann uns nicht verschlossen bleiben. Als Dichter hat er die ewigen Motive der menschlichen Seele ergriffen; als Denker übersetzt er gleichsam in’s Spekulativ-Metaphysische, was er auch als Dichter zu sagen nicht müde wird. Gleich zu Anfang bejaht er die durchaus metaphysische Ein- Stellung. Der abendländische Mensch hat alle möglichen Denksysteme, nach Comte's Auffassung Theologie, Metaphysik, Positivismus als drei Stadien durchlaufen und blickt interessiert auf eine geniale Naivitat. die noch aus der Stärke eines geistigen Instinkts Welt und Menschendasein deutet, gleichsam noch den Mut zu einer metaphysischen Deutung hat. Wir begegnen hier einer wunderbaren Unmittelbarkeit des Gedankens. Es gibt Dichter, die, sobald sie denken, in’s Gekünstelte, Konstruierte. Erzwungene und Abstruse kommen, sodass sie eigentlich durch ihre Philosophie sich selbst widerlegen. —

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