Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 417 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbesprechungen. 417 heim IV., und bis zu dem letzten Träger der Hohenzollernkrone. Mit Recht wird bemerkt, dass der Monarchismus in religiös gesinnten Kreisen aller Bekenntnisse besonders treue Stützen besitzt. Im Judentum dürfte nach meiner Auffassung diese Erscheinung auf die religiöse Stellung des davidischen Königshauses und vielleicht auch auf die talmudische Anschauung מ^בותא דארעא בעין מלבוחא דרקיעא zurückzuführen sein. Die Bedenken der Bibel gegen das Königtum wurzeln, wie Heinemann sagt, in dem Verdacht gegen die Motive seiner Einsetzung und der Besorgnis vor Entartung. Auch der Talmud stattet zwar das Königtum mit Ehrenzeichen aller Art aus, seiner tatsächlichen Gewalt aber zieht er enge Grenzen. — In dem 3. Vortrag werden die beiden Extreme gekennzeichnet: diejenigen, die das Heil der Kultur in der Erhaltung und Vertiefung der sozialen Unterschiede sehen, und ihnen gegenüber die Kommunisten und Anarchisten. Aus der Steigerung der Bedeutung der materiellen Werte ist der Marxismus hervorgegangen, der für die Arbeiter eine Religion bedeutet. Das Judentum hat im Gegensatz zum Urchristentum zu allen Zeiten den Wert redlich erworbenen Besitzes gelehrt wie auch den Wert der Arbeit die zu ihm verhilft. Die wirtsehaftliche Selbständigkeit ist ihm zwar keineswegs das höchste Gut, aber dennoch ein hohes Gut, und der Besitz ist wertvoll, solange er das Streben nach höheren Gütern und die Gleichheit aller Menschen vor Gott nicht gefährdet. Bei der Behandlung der Frauenfrage wird hervorgehoben, dass die Wertschätzung der weiblichen Persönlichkeiten sich aus den Anschauungen des Judentum vom Sinn des Lebens und. von der Beziehung der Geschlechter mit unbedingter Notwendigkeit ergibt. Wenn die Frauenbewegung nur die Anerkennung der vollen seelischen Gleichwertigkeit der Geschlechter fordern würde, so könnte man ihr vom Standpunkt des Judentums ohne Einschränkung zustimmen; sie drängt aber mehr oder minder stark auf die Gleichartigkeit männlicher und weiblicher Betätigung. Und was nun die Tätigkeit der Frau im öffentlichen Leben betrifft, 80 hat die Bibel und mehr noch der Talmud solche öffentliche Betätigung durchaus abgelehnt, obgleich die Anschauungen und namentlich die Gesetzgebung der Talmudisten nichts weniger als frauenfeindlich sind. Es offenbaat sich darin was sich in der Geborgenheit des häuslichen Lebens am leichtesten entfaltet, zu bewahren, und auch die Bedenken fromm-jüdischer Kreise gegen das Hinaustreten der Frau ins öffentliche Leben beruhen im wesentlichen auf der Behauptung, dass das altjüdische Ideal der Esches chajil im Strudel des modernen Lebens verschwinden könnte. Heine־ mann beleuchtet die Veränderung des wirtschaftlichen geistigen und sozialen Lebens, die auch die Stellung der Frau verändert haben. Man kann hier in manchen Punkten anderer Meinung sein; unbedingt Recht hat er aber, wenn er die Frage anfwirft, ob unsere modernen Frauen