Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 416 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Bücherbesprechungen. Bücherbesprechungen. Heinemann, Dr. L, Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensanschauung. J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1921. 143 S. Unsere Zeit ist charakterisiert durch das Suchen nach neuen Idealen. Der Weltkrieg und die Revolution haben auch auf geistigem Gebiet verheerend gewirkt, und so sahen wir überall das Bemühen, an die Stelle der zerstörten Götterbilder neue zu setzen. Es ist ein dankenswertes Unternehmen, wenn in diesem Chaos der Meinungen für unsere jüdischen Kreise der Nachweis geführt wird, dass der sicherste Wegweiser für den suchenden und irrenden Menschengeist zu allen Zeiten die Bibel gewesen ist, dass das Judentum seinen Bekennern in allen geistigen Strömungen einen festen Halt gewährte, und dass die biblisch-talmudisclie Weltanschauung auch auf die Fragen und Problerne, die das heutige Geschlecht bewegen, die befriedigendste Antwrort zu geben vermag. Und es ist von besonderem Wert, wenn dieser Nachweis von einem Manne geführt wird, der das klassische und das jüdische Altertum kennt und dem auch die modernen Anschauungen und Problerne durchaus vertraut sind. In fünf Vorträgen, die an der jüdischen Volkshochschule in Breslau gehalten wurden, behandelt Heinemann die Fragen, die heute am meisten diskutiert wTerden: 1. Militarismus uud Pazifismus. 2. Gottesgnadentum oder Volkssouveränität. 3. Die soziale Frage. 4. Die Frauenfrage. 5. Erziehungsfragen. Es kommt ihm, wie er im Vorwort betont, nicht darauf an zu zeigen, ״dass die Bibel hier den Völkerfrieden, dort soziale Vorschriften, anderwärts die Abschaffung der patria potestas lehrt, sondern dass alle diese scheinbar selbständigen Einzelbestimmungen aus der einen Entscheidüng für das religiös geheiligte Recht des Einzelnen und der Völker fliessen, notwendig aus ihr sich ergeben und auf Grund dieser inneren Notwendigkeit sich im geschichtlichen Leben des Judentums trotz mancher Widerstände durchgesetzt haben und durchsetzen müssen״. Die Frage, wie wir uns den Glauben an diese Wre;t, trotz eben dieser Tendenz, das Ideal der wreiblichen Frömmigkeit, das Zeniut, bewahren können, hat schon die Propheten beschäftigt, und sie haben allen feindlichen Mächten zum Trotz ihre Aufgabe erfüllt. Die Anschauung des prophetischen Judentums bezeichnet der Verfasser als die des aktiven Heroismus. Nicht die Kraftentfaltung als solche ist die Hauptsache, sondern die Erkenntnis des Zieles, an welches die Kraft zu wenden ist. — Im 2. Vortrag wfird die Entstehung der Idee des Gottesgnadentums untersucht und ihr Verhältnis zur biblischen Lebensanschauung geprüft. Von Karl d. Gr. und dem Byzantinismus führt der Weg bis zu dem Romantiker auf dem Throne, Friedrich Wil-