Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 407 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Moderne westliche Ghettoliteratur 407 lands .benehmen? Wie wird er sein Fühlen und Denken erstellen und nmformen bei der Berührnng mit den westlichen Kulturkreisen? Wie und wieweit wird er sich anglisieren? Aeadert sich die Grundform seines jüdischen Empfindens bei dieser Metamorphose? Welche Konflikte zwischen Eltern und Kindern, zwischen Volk und Volk entstehen bei diesen Um- Wandlungsprozessen? Dies sind Hauptleitmotive in Zangwills sämtlichen Romanen, Novellen und Dramen. Zunächst ein paar biographische Notizen*) über Zangwili: Z. wurde als Sohn frommer russischer Eltern 1864 in einer Hafenstadt Englands geboren, verlebte die Jugend in Plymouth und Bristol und besuchte dort die Schule. Mit zehn Jahren kommt er nach Spitalfield in London, wo er in eine Freischule kommt, in der er später selbst Lehrer wird. Gleichzeitig bereitet er sich für die Universität vor und besteht trotz ungeregelte!• Schulbildung die Doktorprüfung mit Auszeichnung. Später hat er ein Zerwürfnis mit seinem Schulleiter und gibt den Lehrerberuf auf, wird Journalist und Schriftsteller, gibt zuerst im Verein mit Jerome K. Jerome, dem bekannten humoristischen Schriftsteller, die Zeitschrift ״Ariel״ heraus: sie wollen einen ״neuen Humor“ begründen: er lässt die Skizzensammlung: ״Bachelors’ Club“ (״Junggesellenverein״) und ״Old Maidens’ Club״) ״Altjungfernverein״) folgen, wo schon die Mischung von Phantastik mit komischem Pathos auffallt. Erst im Jahre 1892 erscheint sein bedeutsames Werk, »The Children of the Ghetto״) ״Kinder des Ghetto״) mit dem Untertitel: Picture of a Peculiar People, (gedruckt auf Kosten der Jüdischen Verlagsgesellschaft in Amerika), dies Werk begründet seinen Weltruhm. 1898 folgen seine Ghetto-Tragödien, dann sein zweites Hauptwerk: Träumer des Ghetto. (Die Hauptgestalten der Vergangenheit werden in markanten Einzelgeschehnissen mit wenigen Mei3terstrichen gezeichnet: Sabbatai Zwi, Baal-Schem, Spinoza, Mendelssohn, Salomon Maimon, Lassalle, Disraeli, Heine auf der Matratzengruft in Paris usw. — sie alle sind an ihren Träumen zugrunde gegangen, tragische *) s. Jewish Encyclopedia und Dictionary of National Biographies.