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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 402

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 402 (sequence 60)
Language
German
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402 Jakob Wassermanns Weg Allein der kosmopolitische Künstler findet schliesslich nur noch das Universum als seine Heimat, und die Grössten sind im Grunde heimatlos, weil sie die ganze Welt als ihre Heimat erkannt haben. Meist aber ist das künstlerische Bewusstsein von anderen menschlischen Qualitäten überlagert. Man ist wohl Künstler, aber in einem bestimmten volklich begrenzten Daseinskomplex. Jetzt heisst künstlerische Aufgabe nicht mehr menschliche Gestaltung überhaupt, sondern die einer begrenzten Menschengruppe, der man sich als Glied zugehörig fühlt, mit dem sehr bestimmten Bewusstsein, ihr künstlerischer Erschauer und Gestalter zu sein. Aus der rein geistigen Berufung wird eine mehr menschlich gebundene, eine nationale, und der Dichter ist jetzt auch Patriot. Der tiefere Grund, warum der grösste Teil der vaterländischen Kunst im innersten so fragwürdig bleibt, ist: der Inhalt, wohlbekannt und ergreifend, rührt gewohnheitmässig, die Gestaltung aber ist Nebensache. Doch Künstlertum ist Gestaltungsdrang und Gestaltungskraft. — Von dichterischem Schaffenstrieb geleitet, hat Jakob Wassermann gelebt. Ursprünglich ringt er als schöpferischer Mensch, später erst als Kind einer Gemeinschaft. Zwar fühlt er sich von Anfang an der deutschen Kultur innig verbunden. Gewisse deutsche Menschentypen interessieren ihn, doch mir bleibt fraglich, ob das Wertvollste an ihnen nicht gerade das Allgemein-Menschliche sein mu3s; deutsche Landschaft erlöst ihn. doch müsste ihm jede eigentümliche Landschaft letzte und innige Erlebnisse gewähren. Aber wir stellen es fest: er beschränkt sich bewusst und fast selbstumgrenzend auf das deutsche Leben. So unproblematisch ist‘er, dass er hoffen kann, in einem bestimmten beschränkten Milieu sich vollenden zu können. Daher vermag er bei ungewohnten menschlichen Komplexen nicht mehr als nur ganz ober- Sächlich zu sein. Was ihm Jude heisst, ist ein etwas nebelhaftes Wesen, mit vom nichtjüdischen Vorurteil diktierten Eigenschäften. Fast sind wir verführt anzunehmen, dass ihm auch eine oberflächlichste Kenntnis jüdischen Geistes- und Volkslebens

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