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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 401

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 401 (sequence 59)
Language
German
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Jakob Wassermanns Weg 401 Und soll ich zum Tod gar kommen Mein Mann muss er sein! Das sind einige Stichproben des modernen jüdischdeutschen Liebesliedes. Die von mir versuchte Uebertragung in das Hochdeutsche hat natürlich von der ursprünglichen, reizvollen Färbung und Kraft des Originals gar manches eingebüsst. Nichtsdestoweniger wird sie erkennen lassen, wie stark das liederbildende Element im Sinne der reinen Volksdichtung in der ostjüdischen Masse gegenwärtig vorherrscht, und wie frisch dieser Quell eines gesunden Volkstums in einem Menschenschlage sprudelt, in dem Druck und Drang, Absperrung von Licht und Luft bei geringerer Widerstandskraft schon längst jede natürliche Lebensregung und -Aeüsserung erstickt hätten. Dass diese Widerstandskraft nicht zuletzt auch aus den unversiegbaren und un verschütt baren religiös-sittlichen Quellen des Judentums gespeist wird: auch diese Wahrheit drängt sich auf und wiegt um so bedeutsamer, als es sich um Aeusserungen handelt, in denen, stärker als irgendsonstwo, der Genius der jüdischen Masse zum Ausdruck kommt. W assermann s Von Dr. Hermann Weyl, Frankfurt a. Main. Das Typische hier ist, dass Heimat gesucht wird, menschliehe, geistige Verwurzelung. Dass aber ein Künstler sie erstrebt, macht den Fall interessanter und problematischer. Ursprünglich ist jedes Künstlertum entwurzelt. Es kennt nur das individuelle Gefühl, und erst wenn es reift, findet es seine menschliche und geistige Heimat. Aber während seiner ganzen Entwicklung ist es von dieser heimatlichen Sehnsucht bewegt, und es geschieht, dass auf dem Weg dieser Entwicklung Euhepunkte gesetzt werden müssen, vorläufige geistige Stationen, die menschliche Bindung bedeuten und das eigentliche Geistige verlassen. *) Jakob Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude. Berlin 1921 8. Fischer Verlag.

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