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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 398

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 398 (sequence 56)
Language
German
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398 Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied Aufstand ich meinem Liebsten zu öffnen — doch mein Freund war fort, verschwunden! Nun sucht ich ihn und fand ihn nicht, rief nach ihm, und er antwortete nicht. Dieses uralte Motiv des Einlass begehrenden Liebsten klingt auch im modernen jüdisch-deutschen Liebeslied deutlich nach. Da geht die Zwiesprach: ״Oeffen mir das Türele!״ ״Oeffenen will ich nit!“ ״Ein Regen geht, ein Wind weht, Ich wül abtun mein seiden Kleid!״ ״Oeffenen will ich nicht!“ ״Was soll ich streiten? 9 Man schläft bei allen Leuten. Ein Wind weht, ein Regen geht, Ich werd’ vernetzen mein seiden Kleid!״ ״Leg’ dich aufs Gräsele!“ ״Wer wird mich zudecken? Und wer wird mich aufwecken?“ ״Das Blatt vom Baum wird dich zudecken', Die Vögelein werden dich aufwecken; Wirst geben dem Hündchen ein gutes Wort, Wird es dich lassen an seinen Ort.“ Wenden wir uns nun zum modernen jüdisch-deutschen Liebeslied überhaupt, das alle Situationen des Liebessehnen^ getreulich widerspiegelt, so gibt wohl schon das eben mit־־ geteilte eine Probe der Reinheit, Treuherzigkeit und köstlichen Naivität, die seine charakteristischen Merkmale bilden. Die alte unsterbliche Menschensehnsucht zu einander kommt in ihm zum Ausdruck in einer kindlichen Natürlichkeit, die abgeschattet ist durch das besondere Verhältnis jener Volksschichten zum Elternhaus und auch zur Religion, bisweilen auch seltsam belebt durch ganz neuzeitliche, selbst technische Bilder und Begriff© aus der Umwelt der Fabrikarbeit und des Maschinenbetriebs, in welche die ostjüdische Masse hineingestellt worden ist. Bezeichnend für das religiöse Moment ist das Liedchen:

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