Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 396 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied Mägdlein will einen Bräutigam haben, Muss man gehn, dem ״Schadchen״ sagen: Ja, Mammeschi, ja! Du kannst mich wohl verstehn, Du weisst wohl, was ich mein.“ (Schadchen Heiratsvermittler; wie es überhaupt bezeichnend und dem Tatsachen-Sinn der betreffenden Bevölkerung entsprechend ist, dass in der ostjüdischen Fassung des Liedes immer gleich die Person angegeben ist, die zur Erreichung des begehrten Gegenstandes zu verhelfen vermag). Die angezogenen Proben spielen zum grossen Teil bereits in jene Liedgattung hinüber, die im Volkslied den breitesten Kaum einnimmt, in das Liebeslied. Das Liebeslied ist eine alte Erscheinung der jüdischen Volksliteratur. Hatte ja auch schon im 16. Jahrhundert die ins Jüdisch-deutsche übertragene Roman- und Liebesliteratur der damaligen Zeit eine ungeheure Verbreitung unter der jüdischen Masse gefunden, und alle Bemühungen der Geistlichen gegen die Lektüre dieser Bücher erwiesen sich als vergeblich. — In der ältesten handschriftlichen Volksliedersammlung in jüdisch-deutscher Schrift und Sprache, die sich in der Bodlejana-Bibliothek in Oxford befindet, einer Sammlung, die zwischen 1595 und 1605 in Worms zusammengestellt wurde, lesen wir folgendes Lied: Jungfräulein, wollt ihr nit Mit mir ein Tänzlein ton? Ich bitt, ihr wollt5 s mir nit Verübei ho’n. Fröhlich muss ich sein, fröhlich muss ich sein, Daweil ich es hab und kann. Euer zarter junger Leib Hat mich in die Lieb5 verwundt, Und euer Aeuglein klar, Dazu ein roter Mund. Schliesst euer Arme ein, Feinslieb wohl in mein5, So wird mein Herz gesund.