Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 393 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 893 druck geworden für die Ueberzeugung, dass alles Geschehen, und zumal das im Leben des von Gott auserwählten Volkes, sich als eine von einem höheren Willen beeinflusste und schliesslich in ihn auslaufende notwendige Kette darstellt. Ein uraltes, zunächst religiös völlig indifferentes Motiv ist hier vom jüdisch-deutschen Volkslied aufbewahrt und umgemodelt worden Das Motiv ist weitbin durch Europa verbreitet. Im Neugriechischen klingt das Lied ungefähr so : War ein armer, alter Mann, Hatte einen grossen Hahn, Hahn hat gekräht und geweckt Den Armen, den Alten. Kam der Fuchs geschlichen, . . Hat den Hahn zerrissen, Der gekräht hat und geweckt Den Armen, den Alten. Kam der Hund gegangen, Hat den Fachs gefangen, Der den Hahn zerrissen, Der gekräht hat und geweckt usL So geht die Reihenfolge weiter, um immer wieder zum krähenden Hahn zurückzukehren, ln anderen Volksliedern engliseher, französischer, italienischer Zunge und ebenso der slavischen Sprachen, desgleichen in Siam und Persien, finden sich Parallelen zu unserem Lied, nur dass der Ausgangspunkt mannigfach wechselt. Sogar im Pantschatantra, dem berühmten indischen Fabelwerk aus dem 5. nachchristlichen Jahrhundert, sind Analogieen vorhanden und berechtigen zu der Annahme, dass das Lied der Urzeit angehört und vom fernen Osten herstammt. — Auch in seiner jüdisch-deutschen FassuDg ist das Lied über den ursprünglichen Kreis hinausgedrungen und allgemeineres Volksgut geworden. Es ist (vgl. ״Ein Zicklein“ in Arnim und Brentano: ״Des Knaben Wunderhorn״) mit seinen Hebraismen (Schoehet-Schläehter, Malach Hammowres-Todesengel) deutsches Volkslied geworden. — 4