Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 387 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Romain Rolland usw. 387 und mit Verhaeren, der zum Sänger des belgischen Hasses gegen Deutschland wurde, einen mutigen Feldzug gegen alle Vernichtungspolitiker und Hasskünder führte er von der Schweiz aus, an Wilson richtete er bei dessen Ankunft in Frankreich einen dringenden Appell, in Versailles der Stimme der Mensch״ lichkeit Gehör zu verschaffen. Als alle Bemühungen fehlgeschlagen waren und der Friedensschluss nur neuen Hass säte, da begründet er in der מ Declaration de FIndependance de!,Esprit“ die neue, seine Menschheitsordnung. Das alles zeugt von übermenschlicher Kraft. Zu den besiegten Völkern treibt es ihn, zu allen Unterdrückten, den דבאיי־ירוח* Bei ihnen glaubt er, die Vorbedingungen zum Verzicht auf Ambitionen und Machtgeiüste am ehesten zu linden. Oft genug freilich ist das nicht zutreffend, und die ״Hornviehnationalisten“ (wie Rolland einmal sagt) werden gewiss durch die Niederlage mit der unausbleiblichen Demütigung und Knechtung zu sinnlosem, verzweifeltem Hass gereizt werden. Aber ganz gewiss ist die Mentalität des Siegers gefährlicher und sittlicher Mässigung unzugänglicher; Brutalität und Uebermut machen sich breit. So hat Rene Schickele mit seinem drastischen Satz das Richtige gesagt: eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Sieger in den Himmel Eingang findet. Der Besiegte sucht dagegen statt der verlorenen, nicht wiederzugewinnenden Position neue Betätigungsgebiete und macht dann im besten Sinn moralische Eroberungen. Ihn treibt die äussere Niederlage nicht selten dazu, in sich selbst das Feld der Wirksamkeit zu erkennen und an der eigenen Vollendung zu arbeiten♦ Den Dichter aber treibt zum Besiegteu die Einsicht, dass der Gedemütigte der Aufrichtung und des Trostes bedarf; er wird sie umso eher annehmen, als seine Seele durch Leid vorbereitet ist, sei es nun, dass er in seinem Unglück eine Strafe erblickt, sei es, dass er das bisherige Handeln für eitel erachtet7). Mehr will ich in diesem Zusammenhang nicht von Romain 7) Für alles weitere muss ich den Leser auf die kürzlich erschienen© vorzügliche Schrift von Stefan Zweig, Romain Rolland der Mann und das Werk, Ratten u. Loening, Fft. a. M. 1921, verweisen.