Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 386 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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386 Romain Rolland usw. seines Denkens wäre, wenn er mit den bisher üblichen Waffen Sieger bliebe. Das grosse fleckenlose Vorbild seines eigenen Lebensweges, das zu künstlerischer Vollendung (aber nie Part ponr l’art) gesteigerte Wort, das unablässig wiederholt und variiert wird, die ethische Lehre — das ist sein Kampfwerkzeug. Mit ihm hofft er allmählich die Welt, die er mehr als die meisten Autoren kennt und liebt, zu besiegen, durch sanften, liebevollen Zwang. Die Bahn, in die er sie zu zwingen sucht, ist die Kampf!osigkeit, jedenfalls das Aufhören der brutalen Kämpfe, die immer noch geführt werden. Also ist er doch ein schwacher entnervter Pazifist, einer, der aus Ohnmacht die Ruhe ersehnt? Keineswegs. Einen Kampf führt er ja, wie wir gesehen haben: den Kampf gegen den Hass. Und tatsächlich liegt in ihm das Gründübel verborgen. Allermeistens ist es ja eine שנאה הגם, ein durch nichts als Neid und Missgunst motivierter Hass, der Menschen und Völker entzweit. Das eine Volk drückt ihn positiv aus; es sucht seinen Platz an der Sonne; — als ob die Sonne verschattet werden könnte. Das andere sagt unumwunden, dass es die Rivalität des Nachbarn nicht dulden wolle. Alle streben, weit entfernt das Existenzminimum zur Grundlage ihrer Forderungen zu machen, einem Maximum zu. — Von diesem Hass gegen den Hass abgesehen, gilt das Schaffen Hollands, nach der nötigen kritischen Wertung des Vorgefundenen als Vorarbeit, dem Aufbau der neuen Ordnung, der Gesetzgebung der neuen Menschheit. Er sucht das Vaterland aller Völker zu begründen und die Brüderschaft aller Menschen zu verwirklichen. In dieser ethisch fundierten Neubegründung der Gesellschaft werden die bisher in den Vordergrund gestellten Teilprobleme, die de3 Nationalismus und Sozialismus, ihre Lösung ohne weiteres finden; denn der Geist der Gerechtigkeit und Liebe wird alle Unausgeglichenheiten schlichten. Zu welcher Kraft und Kühnheit den Dichter dieser Kampf gegen die Welt befähigt, zeigt sein mutvoller Kampf in und nach dem Weltkrieg. Eine edle Fehde mit Gerhart Hauptmann, der damals ohne Einschränkung für Deutschlands Recht eintrat;,