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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 385

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 385 (sequence 43)
Language
German
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Romain Rolland usw. 385 Mut heisst ihn den Konflikten und Kämpfen des Lebens ausreichen. Er ringt sich los von dem bitteren und berauschenden Geschmack des christlichen Pessimismus und bedauert, freilich bewundert auch die Melancholie der Christen5). Kein, heldisch ist Hollands Gesinnung. Nur ist es ein Heroismus eigener Art. Er verschmäht die heldische Lüge als Feigheit und kennt nur ein Heldentum: Die Welt zu sehen, wie sie ist — und sie zu lieben6). Wer irgend einmal im Bann einer fesselnden Idee oder in den Ketten einer Partei sich befunden hat, weiss, welche übermenschliche Anstrengung dazu gehört, dem ausserhalb dieser Idee oder Partei Befindlichen gerecht zu werden, dessen Existenz als berechtigt zuzugeben. Und wer sich so weit zu beherrschen gelernt hat, dass er von der Hohe seines geläuterten Denkens auf die Niederungen der Meinungsverschiedenheiten hinabschauen kann, ohne schwindlig zu werden, der allein wird es begreiflich finden, dass man so hohes sittliches Pathos, wie Romain Rolland es in sich trägt, mit solcher Duldsamkeit vereinigen kann, dass man nur noch eines hasst: den Hass. (Dieser Ha3s gegen das Laster, nicht aber gegen Personen ähnelt der Deutung des Satzes: ,יתמו חטאים ונו in der Auffassung der Beruria: חטאים ולא חוטאים). Freilich darf man nicht glauben, dass Rolland in seinem Leben oder seinen Werken charakterlos alle Erscheinungen des menschlichen Lebens billigt. Er hat seinen fest umschriebenen Standpunkt gegenüber den Schickungen des Lebens. Aber sowohl im Leben wie im Kunstwerk lernt er die relative Berechtigung und die Notwendigkeit auch des sittlich Minderwertigen allmählich einschätzen. (Symbolisch ist die endliche Aussöhnung zwischen Johann-Christof und seinem alten Widersacher Lucien Levy-Coeur). Sein Kampf der minder, heftig und grausam ist aber dafür unermüdlich, wird grundsätzlich mit anderen Waffen und für andere Ziele geführt: er verzichtet von vornherein auf Siege und Terraingewinn; er weiss, dass es eine Niederlage 5) Romain R o Hand , Das Leben Michel Angelos, übers. V. WB Herzog, Rütten u. Loening, Fft. a. M. 1919. p. 4. ף ib. p. 3.

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