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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 383 (sequence 41)
Language
German
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Romain Rolland usw. 383 die Sprache der Geschichte wird auch die Bereitwilligkeit zur Bruderhilfe dauerhaft sein. Assimilation an ein geistiges System ist nicht das Verderblichste. Für unsere jüdische Eigenart ist noch schlimmer die völlige Angleichung an die alltägliche Denkart, an die Mentalität der Umwelt. Tatsächlich ist dieser Prozess ausserordentlich vorgeschritten. Unser politisches Denken ist völlig in den Ketten der Tagesgeschehnisse. Wir besangen mit unserem Wirtsvolk den Krieg, nicht wenige feierten mit ihm die Revolution, und mancher wird mit ihm die Gegenrevolution begrüssen. Die Leipziger Prozesse, die Abstimmungen in den Grenzmarken, das alles geht den meisten von uns mehr zu Herzen als die brüderliche Not und die Zukunft von א״׳. So huldigt das Volk der Ewigkeit der Vergänglichkeit. JEs ist eben in allen Sätteln gerecht. — Die kritische Würdigung der jüngsten Vergangenheit geschah bei uns deutschen Juden fast durchweg vom Standpunkt des Deutschtums aus (mit einigen ,wohlwollenden Bemerkungen an die Adresse unserer Brüder im Feindesland durchsetzt), unter Voraussetzung des Dogmas vom überfallenen friedfertigen Deutschland. Und unsere Gegenwart wird beinahe ausschliesslich nach ihren wirtschaftlichen Schickungen, nach dem Auf und Ab des ״heiligen‘־ Verdienens gewertet. So sehr sind wir mit den vom Machtideal gelenkten Bestrebungen verwachsen, dass wir teilnehmen an diesen die Weit zugrunde richtenden Kräften. Ja, wir vernehmen nicht einmal den Ruf, der einsam gegen die ganze Welt sich erhebt. Kaum werden wir gewahr, dass auch in unserer so kranken, in Sünde verstrickten Zeit ein Mann sich eine Bahn sucht und sein פולו סולו פנו דרך ruft. Von Romain Roliands geläuterter Denkart wollen wir im folgenden sprechen, der einsamen Melodie seines künstlerischen Ethos. Sehr wenig ist in der jüdischen Journalistik und Literatur von diesem Grossen die Rede gewesen. Nur hat man in jener abgestandenen und wiederkauenden Literatenart die Stellen aus seinem Johann-Christof zitiert, in denen von jüdischen Gestalten und jüdischem Wesen die Rede ist. Von vornherein sei gesagt, dass Rolland keine exakte Kenntnis jüdischer Dinge

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