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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 381

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 381 (sequence 39)
Language
German
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Romain Rolland usw. 881 care den Physiker sprechen: mir ist dies Faktum sehr gleichgültig, weil er (8c. Johann 0. L.) nie wiederkommt. Von dieser schroffen Einseitigkeit haben sich sowohl Geschichte wie Naturwissenschaft oft entfernt. Die Naturwissenschaft schliesst historische Zweige ein wie Antropologie und Geologie. Die Geschichte wiederum hat besonders unter Lamprechts Einfluss typische Wiederholungen, Gesetze, aus dem historischen Ablauf auszusondern gesucht und dadurch naturwissen־ schaftliches Gepräge erhalten. Weder Objekt noch Methode sind bei Natur- und Geschichtswissenschaft immer verschieden: nur wird eine andere Bedeutung oder Beziehung des Objekts geprüft. — Dennoch bleibt es wahr: in Strenge lässt sich durch die Geschichte nur chronistisches Material gewinnen. Alles andere ist Meinung. Ein System wäre die Geschichte nur, wenn sie eine Ganzheit wäre, wenn sie mehr als die Summe von Tat- Sachen, ja selbst von Kausalreihen wäre. Was der Geschichte Objektivität verleiht, macht sie metaphysisch geradezu wertlos.2) Das nur als allgemeine Vorbemerkung. Wir wollen uns ganz in die Geschichte als empirische Wirklichkeit hineinstellen -und Deutungsversuche anstreben. Da gibt es eine Betrachtungsweise, die nüchtern wirtschaftliche unb politische Faktoren als massgebend erachtet und in deren geschichtlichen Abwandlungen den Weg der Geschichte erblickt, die kulturelle Kurve verfolgen andere. Endlich gibt es Denker, die das ethische Gefüge der Geschichtsperioden prüfen und an dem Auf und Ab moralischer Handlungen und Doktrinen den Stand der Zeiten messen. Manche sehen in der Geschichte nur die Erzählung menschlichen Dummheit wie stellenweise Koheleth und besonders ausgesprochen Gustave Flaubert, andere sehen in ihr die grandiose Entfaltung von Vernunft und Sittlichkeit wie Hegel und, trotz allem, viele unserer Propheten. — Die fruchtbarste Auffassung aber ist die, welche uns als Gestalter des historischen Geschehens bezeichnet, die nicht in mattem Fatalismus die Geschehnisse hin- 2) Driesch, "Wirklichkeitslehre Reinicke, Leipzig 1917 viele Stellen; vgl. dazu Wolfsberg, Monismua oder Dualismus, Jeschurun VIII 168—177, 284—246; insbesondere p. 174.

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