Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 380 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Romain Rolland usw. 880 Die in die Paradieserzählung eingebettete Versuchungsgeschichte bedarf, um zu glänzen, keinerFlittergold- Verbrämung. Denn wie sie gemäss der obigen Untersuchung sich schon durch ihre psychologische Tiefe und religiös-sittliche Zartheit auszeichnet, so nimmt sie auch deswegen einen bemerkenswerten Platz ein, weil sie auch in der babylonisch-assyrischen Literatur keine Parallele besitzt. Nur das Schrifttum der Verehrer des Ewigen hielt die erste Pietätsverletzung des Menschen für einen hinreichend wichtigen Gegenstand, um ihn durch eine feingegliederte Erzählung vor dem Geistesauge der Menschheit festzuhalten. Romain Rolland und die jüdische Gegenwartsgeschichte Von Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. I. Schwer ist es, ja unmöglich, die Zeichen der Zeit zu deuten«. Denn jede Geschichtsdeutung ist ein gewagtes Unternehmen. Das rein kausale Denken ist in der Geschichtswissenschaft fast aussichtslos. Der Bedingungen sind viele, und das Wesen geschichtlichen Werdens ist die Einmaligkeit der Fakta. Die Unmöglichkeit des Experiments, etwa nach Analogie der Natur- Wissenschaft, beweist am besten diese Sachlage. Geschichte als Wissenschaft im strengen Sinn ist Chronologie, also die primitivste Stufe geschichtlicher Forschung. So hat ja noch Henri Poineare in extremer aber anschaulicher Weise den Unterschied folgendermassen ausgesprochen:1) Carlyle hat einmal gesagt: Johann ohne Land ist hier einmal vorbeigegangen — das ist bemerkenswert, das ist eine tatsächliche Wahrheit, (besser wäre: das ist eine wirkliche Tatsache), für die ich alle Theorien der Welt hergeben würde. Demgegenüber lässt Poin- 1J Wissenschaft und Hypothese, Teubner, Leipzig 1906, Deutsch von F. u. L. Lindemann, p. 143.