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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 379 (sequence 37)
Language
German
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s Die modernste Deutung usw. 379 in einem wichtigen Punkte zur Anerkennung verhelfe. Man sagt ja: ״Die Ethisierung des Kultus war ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den Vegetations- und Fruchtbarkeitskulten der heidnischen Völker. Um diesen Fortschritt anzubahnen, musste der Verfasser der Paradiesgeschichte und nach ihm die Propheten mit ihrem hohen ethischen Pathos das Sexuelle auf eine tiefere Stufe herabdrücken״ (S. 30). Aber auch in diesen Worten wird e r s t e n s ein Zusammenhang zwischen Dingen angenommen, die in der Wirklichkeit keinen solchen gehabt haben. Der Erzähler der Paradiesgeschichte 3011 mit seiner Darstellung dem Fruchtbarkeitskulte der heidnischen Völker haben entgegenarbeiten wollen. Aber von dieser Absicht seiner Erzählung ist einerseits im Wortlaute nichts zu entdecken und andererseits ist im Gegenteil darin von Vielheit der Geburten (3,16) und dem Zusammenstreben von Mann und Frau (2, 24 und 3, 16) die Rede. Zweitens soll nach der angeführten neuen Behauptung jener Erzähler und die Propheten einen Teil ihres Kampfes für die Sittlichkeit darin haben leisten wollen, dass sie ״das Sexuelle״ herabgedrückt hätten. Aber was meint man da mit diesem Ausdruck? Den Autoren des althebräischen Schrifttums ist es nicht im entferntesten eingefallen, bei ihrem Eintreten für eine religiös-orientierte Sittlichkeit irgendwie das eheliche Betreten des sexuellen Gebietes einzuschränken. Nur um den ״Orgien״ entgegenzuarbeiten, hat die altisraelitische Ethik den Ehebruch schon in ihren zehn Grundprinzipien verboten und den leichtfertigen Geschlechtsverkehr in vielen Stellen als einen Fluch der Menschheit gebrandmarkt (2. Mos. 20,14; 5 Mos. 27,20 usw.). Aber eine ״Herabdrückung״ dieses Verkehrs, wie er in den Gesetzgebungen aller Kulturnationen als normal angesehen worden ist, darf dem althebräischen Schrifttum auch nicht einmal zu dessen angeblicher Emporhebung zugeschrieben werden, und wenn die ״Propaganda für die Befreiung des Sexuellen״ von einen ihm vorgeblich ״anhaftenden Fluche״ Stützpunkte sucht, so soll sie ihre Hände wenigstens vom althebräischen Schrifttum lassen.

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