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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 378

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 378 (sequence 36)
Language
German
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378 Die modernste Deutung usw. Echo der sexuellen Gedankenwelt zu machen, beruht gänzlich auf der Voraussetzung, dass das Weib als der Acker des Mannes gedacht sei, wovon, wie schon gesagt werden musste, iin althebräischen Schrifttum keine Spur vorliegt. Aber setzten wir sogar einmal den Fall, dass das Weib so vorgestellt worden sei, was würde dann der erste Satz in dem über den Mann ausgesprochenen Urteil heissen? Er lautet ja: ״Verflucht sei der Acker um deinetwillen!״ Also anstatt des Mannes würde noch einmal das Weib mit Strafe belegt. Demnach beginnt die sexuelle Deutung dieses dritten Richterspruchs mit Unnatur, und diese steigert sich mit jedem Schritt, den man mit sexuellen Gedanken beim Lesen dieses Ricbterspruches vorwärts tut. Oder wie? Dann könnte weiter gesagt sein: ״Mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen״? %Nein! die Gewalttätigkeit, mit der diese Worte in das Schema der sexuellen Deutung hineingepresst werden müssten, übersteigt alle Grenzen und jede Möglichkeit. So demnach meint man jetzt, die Schwierigkeiten, die betreffs der Beziehungen zwischen Schuld und Strafe in der Paradiesgeschichte liegen und angeblich ״bisher nicht gelöst ־wurden (S. 27), beseitigt zu haben. Aber wie einerseits der der bisherigen Auslegung jener Geschichte von den Sexualisten gemachte Vorwurf ungerecht ist, so ist andererseits die Selbst- Zufriedenheit der neuen Deutung unbegründet. Denn die schon bisher in der modernen Wissenschaft vertretene Beurteilung der Beziehungen zwischen Schuld und Strafe in jener Geschichte bat dieselben hinreichend erklärt, wenn sie sagte, dass die jenen * drei Beteiligten angedrohien Strafen ihrer Natur, ihrem gesellschaftlichen Stand und ihrer Kulturstufe entsprochen haben. Die neue Deutung aber verrenkt die Worte jener Strafurteile zum Teil und gibt ihnen, wie oben gezeigt wrorden ist, einen völlig unnatürlichen Sinn. Und doch meint die sexuelle Auslegung des in Rede stehenden Textes, dass erst sie es sei, welche der wahren kulturgeschichtlichen Stellung des althebräischen Schrifttums

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