Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 377 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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SB Die modernste Deutung usw. 877 Weib ja der Acker für den Mann* sei. Denn vor allem liegt davon im althebräischen Schrifttum auch nicht die leiseste Ahnung vor. Sodann welche Unnatur der Vorstellung, dass der angehliehe Phallus mit Verzehren von Staub bedroht worden sein soll. Drittens die Feindschaft der als מPhallus״ gedeuteten Schlange mit dem Weibe (3, 10) wäre wieder ein Schlag nicht bloss ins Gesicht des betreffenden Schrifttums, sondern auch gegen die Natur. Sodann bei der Auslegung des über das Weib verkündeten Richterspruchs (3,16) geht man vom sexuellen Standpunkt aus sogar zum Angriff gegen die nichtsexuelle Deutung über. ״An dieser Stelle״, so sagt man, ״merkt man den Kommentaren, die die erste ״Sünde״ nicht sexuell verstehen wollen, die Verlegenheit an, es fehlt ihnen die Beziehung zwischen Schuld und Strafe. Was wären Schwangerschafts- und Geburtsschmerzen für eine unsinnige Strafe für das Essen eines Apfels״ (S. 28). Aber weit gefehlt, dass die neue Deutung triumphieren dürfte 1 Sie dürfte es nicht, auch wenn sie bei ihrem Triumphzuge nicht anstatt des im Texte gemeinten Ungehorsams, ״das Essen eines Apfels״ setzte. Denn der Richterspruch über das Weib zählt fünf Momente auf, die das Leben des Weibes auf jener alten Kulturstufe und insbesondere im Orient beschweren. Wie natürlich war es da, dass unter ihnen auch an die mit dem Schwangerschaft und Geburt verknüpften Schmerzen erinnert wurde! Es nützt also nichts, dass bei der Empfehlung der neuen Deutung das erste von den fünf Momenten falsch ׳aufgefasst worden ist. Die richtige Uebersetzung von 3,16 beginnt nämlich mit ״Gar sehr werde ich viel sein lassen deine Mühsal und deine usw.״ Das Wort für ״Mühsal״ muss als selbständiges Moment gemeint sein und die besonders im Orient den Frauen obliegenden Arbeiten bezeichnen. Denn wenn der Darsteller ״die Schmerzen deiner Schwangerschaft״ (S. 28) gemeint hätte, wären die Frauen, welche keine Kinder bekommen, in jenem Richterspruch ganz übergangen. Endlich der Versuch, die bekannten Worte, in denen das Strafurteil über den Mann erschallt (3,17—19), zu einem 3