Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 376 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Die modernste Deutung usw. düngen und ihrem heimlichen Giftspritzen zusammenhängt. Auf dem Hintergründe• dieser antiken Anschauungswelt ist die Rolle vollständig begreiflich, die der Schlange in jener biblischen Szene beigelegt wird. *) Aber alle diese durch die fortschreitende Kulturforschung immer reicher gespendeten Aufklärungen über den Sinn, in welchem der Ausdruck Schlange dort verwendet ist, genügen manchen Auslegern noch nicht. Hach ihnen muss jene Schlange in das sexuelle Gebiet verpflanzt werden. Nach ihnen soll sie als Phallus gemeint sein. Als solcher ״stellt sie dem Weibe nach4־ (S. 28). Und doch ist auch diese Behauptung wieder ein Gewaltakt, wie gegen die Worte jener Erzählung selbst, so gegen den Sinn des althebräischen Schrifttums überhaupt. Es ist freilich fast lächerlich, wenn dafür Belege gegeben werden sollen. Wer aber welche haben wollte, der möge doch auf die Kinderfreudigkeit hinblieken, die an einer langen Reihe von Müttern in diesem Schrifttum (1 Mos. 4, 25; 16,2: 29,32; 30,1 usw.) hervorgehoben wird! Und wie endlich fällt die sexuelle Deutung der Strafurteile aus, welche über die an jener Erprobung der menschlichen Pietät beteiligten Wesen ausgesprochen werden mussten? Nun der die Schlange betreffende erste Satz ״Auf dem Bauche wirst du kriechen“ ist nach dem oben erwähnten Hauptvertreter der sexuellen Auslegung ״wohl symbolischer Ausdruck für den Geschlechtsakt, so hat im Französischen noch courir sur le ventre diese Bedeutung.“ Aber auch wenn es von einer Schlange, einem Kriechtier gesagt ist? Also abermals eine Unnatürlichkeit des Auslegens! Sie wächst aber womöglich ן noch, wenn das der Schlange ferner angedrohte Staubfressen, i das auch anderwärts (Jes. 65,25 usw.) von der Schlange und *J besiegten Feinden ausgesagt ist, dahin gedeutet wird, dass ״das 9 Dass übrigens durch die Anlehnung des biblischen Erzählers an eine antike Anschauung nicht die Tatsächlichkeit des von ihm überlieferten Vorgangs zerstört wird, ist in meinem Kommentar ״Die Genesis, eingeleitet, übersetzt und erklärt” (1919), S. 256—67 aufgezeigt worden.