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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 375

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 375 (sequence 33)
Language
German
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Die modernste Deutung usw. 375 sie an die Menschen den versuchenden Gedanken herantreten lässt; dass diese Androhung gar nicht im Ernste gemeint sein könne (3, 1). Es wird weiter auch hinzugefügt, dass die Gottheit ihr strenges Abhaltungsmittel, als es leider nicht den gewünschten Erfolg gehabt hatte, durch Hinausschiebung des Straftermins gemildert hat. Und nun soll an die Stelle dieses innerlieh begründeten und auf die Erziehung des Menschengeschlechts hinzielenden Gedankenganges eine an sich unnatürliche und dem Erzähler nachgewiesenermassen ganz fremde Verknüpfung zwischen der Sterblichkeit des Menschen und seiner Fortpflanzungstätigkeit hergestellt werden. Da wird man wieder einmal recht lebhaft an jene Regel: ״Legt ihrs nicht aus, so legt was unter!״ *) erinnert. Dieselbe Kunst der Auslegung muss erst helfen, wenn es gilt, die Gleichung ״Schlange Phallus״ (S. 25 f.) mit den bekannten Textworten zu vereinigen. In ihnen ist ja die Schlange so ausdrücklich, wie überhaupt etwas gesagt werden kann, als ein Teil der Tierwelt dargestellt, indem sie mit dieser verglichen und als zu ihr gehörig bezeichnet wird (3,1.14). Sie besass, wie nach alter Anschauung (bei Josephus usw.) 1 2 3) alle Tiere der Urzeit, die Fähigkeit des Sprechens, obgleich das ihr beigelegte Reden auch als ein uneigentliches gemeint sein kann, wie ja auch z. B. dem dahinrieselnden Blute eine zum Himmel schreie nde Stimme beigelegt wird (4,10), und also auch das Fauchen oder Zischeln der etwa um den Erkenntnisbaum sich windenden Schlange als ein zum Genüsse von demselben verlockendes Sprechen aufgefasst sein könnte. z) Insbesondere aber ist die Schlange als ein überaus schlaues (3,1) Wesen gedacht, wie sie ja bei den Phöniziern als das geistbegabteste (pneumatiketaton) unter allen׳ Kriechtieren und bei den Arabern als ein dämonisches Wesen ("ein Dschinn) angesehen wurde und wird, was natürlich mit ihren blitzschnellen Wen- 1J Goethe in seinen .,Zahme Xenien“, zweites Buch. 2) Man kann darüber in dem sinnigen Buche Jakob Grimms ״Ueber den Ursprung der Sprache“, 6. Auflage, S. 13 f. nachlesen. 3) Von Gott wird sie nämlich nicht g e f r a g t (3,14)!

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