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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 374 (sequence 32)
Language
German
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•—1B₪₪₪₪₪₪₪mm₪aa₪₪₪maa₪₪₪₪mam₪₪₪₪₪₪₪mmm 374 Die modernste Deutung usw. mengung ganz verschiedener Dinge wird da vorgenommen! Um die Tempelprostitution zu verwerfen, soll der Fortpflanzungsakt der Menschheit verboten und mit dem Tode bedroht worden sein. Nein, wo gegen die Verquickung von Religion und Sexualität, wie sie im Adonis-Tammuzkult und in der Tempelprostitution der Babylonier und Kanaaniter geübt wurde, im althebräischen Schrifttum protestiert wird (5. Mos. 23,18; Jes. 1,30; Hes. 8, 14 usw.), dawird sie eben auch ausdrücklich genannt. Aber der Bibel ist es nicht eingefallen, dass sie, um Auswüchse zu beseitigen, den ganzen Baum umgehauen hätte. Solches unnatürliches Vorgehen für richtig zu halten, hat sie späteren Zeiten überlassen. Und wie soll beidiesermodernstenAuslegungvonl.Mos.2,9ff. die Verbindung des angeblichen Verbots der Fortpflanzung der Menschheit mit der Ankündigung des Sterbens (2,17) verstanden werden? Die Antwort lautet: .,Der Tod ist eine Folge des Geschlechtsaktes. Sobald die Menschen Kinder zeugten, haben sie sich selbst dem Tode geweiht“ (S. 22). Welche künstliche Verknüpfung zweier Dinge! Zwei Vorgänge, die gar nichts miteinander zu tun haben, werden da in ursächlichen Zusammenhang gebracht. Die Sterblichkeit des Menschen hatte ja und hat ihre Ursachen in der Auflösbarkeit seiner körperlichen Wesensbestandteile und in der Begrenztheit der Spannkraft seiner vitalen Organe, wie es bei jedem Typus ,der organischen Wesen ist*), aber nun soll sie mit der Fortpflanzung des Menschengeschlechts in Kausalnexus gebracht werden! Das ist eine ganz unnatürliche Vorstellungsweise, die der Bibel aufgedrungen werden soll. Bei ihr ist die Androhung des Sterbens (2, 17) ein strenges Mittel, um J die Menschen womöglich vom Betreten des Weges der Pietäts- W losigkeit gegen ihren Schöpfer und tausendfältigen Wohltäter abzuhalten. Als solches Warnungsmittel wird ja die Androhung des Sterbens von der Bibel selbst dadurch gekennzeichnet, dass *) Mit Beispielen belegt in meinem Schriftchen .,Oswald Spenglers ,Der Untergang des Abendlandes‘ hauptsächlich psychologisch und religionsgeschichtlich beleuchtet“ (1921) S. 82. ״

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