Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 373 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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־ Die modernste Deutung usw. 873 Entwicklung entsprächen. Aber es ist auch nicht irgendwie wahrscheinlich, dass die Menschen gleich nach dem ersten Geschlechtsakte sich durch Bedeckung vor Wiederholung desselben hätten schützen wollen, wie es von den Vertretern jener modernen Auffassung angenommen werden muss, wenn sie ihre Deutung klar durchdenken wollen. Durch alle diese bisher beurteilten Behauptungen hat also nicht im entferntesten bewiesen werden können, dass den betreffenden Teilen der Paradiesgeschichte ein sexueller Sinn innewohnen soll. II. Aber gibt es nun nicht auch noch direkte Hindern i s s e dieser modernsten Deutung der biblischen Sündenfallsgeschichte? Mit dieser Frage muss vor allem das Verbot: ״Aber von dem Baume des Erkennens von gut und böse sollst du nicht essen“ (2,17) ins Auge gefasst werden. Nach der jetzt mehrfach empfohlenen sexuellen Auslegung hätte also das althebräische *Schrifttum die Fortpflanzung des Menschengeschlechts verboten. Kann es eine krassere Verkennung von hundert Stellen dieses Schrifttums geben? Ist jemals die lebensfreudige Tendenz einer Literatur ärger verkannt worden? Schon vor diesem einen Hindernis muss die neue Aufmachung zu Boden stürzen. Aber über dieses Hindernis meint, man mit folgenden Worten sich hinwegschwingen zu können: ״Der Geschlechtsakt, der in den Fruchtbarkeitsriten und Mysterien der alten Religionen als etwas Heiliges und Göttliches angesehen wurde, wird hier zum ersten Male als Uebertretung eines göttlichen Verbots empfunden und hat einen ewigen Fluch zur Folge. Diese Stellungnähme war damals eine Notwendigkeit. Denn nur durch sie wurde das weltgeschichtliche Verdienst Israels möglich, dass die Religion von der Sexualität, mit der sie in den heidnischen Kulten (in den Frühlingsorgien und der Tempelprostitution) aufs engste verbunden war, loslöste und die Ethik in das Zentrum der Religion stellte.“ Aber welche gewaltsame Ver-