Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 370 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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870 Die modernste Deutung usw. hier rein physischen Sinn oder geradezu sexuelle Bedeutung0.1) Und weshalb behauptet man das? Nun weil die Ausdrucks״ weise ״ Gutes und Böses nicht erkennen״ noch an andern Stellen ״und zwar jedesmal bei Menschen begegne, denen die sexuelle Fähigkeit fehlt, bei Kindern und Greisen (5. Mos. 1,39 und 2. Sam. 19,36).״ Also nur noch an zwei Stellen kommt diese Redensart vor, und wie dürfte man behaupten, dass sie da in bezug auf kleine Kinder und älteste Greise nicht ganz natürlicherweise die Fähigkeit, Gutes und Böses in moralischer und physischer Hinsicht zu unterscheiden, bezeichnen könne? Das letztere, also das Unangenehme, wie z. B. das Unschmack״ hafte, konnte umso eher in jener Redensart mit gemeint sein,, als der hebräische Ausdruck für ״böse* oft auch das Schlimme, also auch das Uebel bezeichnet, wie z. B. in der religions״ geschichtlich wichtigen Stelle Jes. 45, 7*: ״Ich, der ich das Licht mache usw.“ 2). Dagegen ist an geschlechtliche Unterschiede beim Aussprechen von ״gut und böse״ mit keinerlei Notwendigkeit oder Wahrscheinlichkeit gedacht. Ja, die Annahme, dass der so zartfühlende Greis Barsillai (2. Sam. 19,36) im Gespräche mit seinem Könige hätte hervorheben wollen, dass er keine Geschlechtslust mehr spüre, ist nichts weiter als ein täppisches Anfassen einer feinsinnigen Aussage. Folglich ergibt sich aus den erwähnten beiden Stellen auch nichts für die geschlechtliche Deutung des Wortpaars ״gut und böse״ beim Baume des Erkennens. Vielmehr bezeichnet da (1. Mos. 2, 9) dieses Wortpaar nach seiner engen Verbundenheit durch w ä die zwischen gut und böse waltende Beziehung. Das Erkennen der״ selben ist das Aufleuchten des Bewusstseins von den Gegensätzen auf sittlichem Gebiete. *) A. B. Ehrlich, Randglossen zur hebräischen Bibel, Bd. 1 (Genesis und Exodus), 1908, S. 9. 2) Da hat ja Frd. Delitzsch auch neuestens wieder ha-ra mit ״das Bose“ übersetzt, aber das ist natürlich schon wegen des Gegensatzes 8 chalom ״Friede, Heil“ falsch. Vgl. weiter in meiner Gegenschrift ״Frd. Delitzsch ,,Die grosse Täuschung“ kritisch beleuchtet“, 4. Aufl. S. 76 f.