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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 369

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 369 (sequence 27)
Language
German
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Die modernste Deutung usw. 369 Also bis jetzt sollte das ein Beweisgrund für die Richtigkeit der sexuellen Deutung sein, dass man eine niedere Erwartung an den Erzähler betreffs seiner Aufklärungspflicht stellte und diesen unberechtigten Anspruch nicht befriedigt fand. Ein anderer Beweis ־wird in dem Gebrauch des Zeitworts ״essen“ (2, 9; 3.1 f. 5 f.) gesucht (S. 19). In Spr. 30,20 wird nämlich von der Ehebrecherin gesagt: ״Nach dem Essen wuscht sie sich den Mund ab und sagt: Ich habe nichts Unrechtes getan“. Da wird also ״essen“ als eine von den euphemistischen Redensarten verwendet, die im Hebräischen zur Bezeichnung des geschlechtlichen Verkehrs gebraucht werden.1) Aber ■ gibt das ein Recht-, das Zeitwort ״essen״ auch da, wo es vom Genuss der Frucht eines Baumes verwendet ist, (2,9 usw.), ״im sexuellen Sinne zu verstehen? Die Bejahung dieser Frage schliesst eine Unnatürlichkeit• in sich.2) Ebenso hinfällig ist der nächste ähnliche Beweis. Er wird daher entlehnt, dass der Baum, dessen Früchte nicht gegessen werden sollen, ״der Baum der Erkenntnis״ heisst. Sofort wird darauf hingewiesen, dass ״erkennen״ in der Bibel (4,1 usw.) eine häufige ״Bezeichnung des Geschlechtsaktes״ sei (Levy, S. 20). Das ist natürlich der Fall, wie es in meinem erwähnten Buche im Abschnitt ״Euphemismen״ allseitig besprochen wird. Aber ergibt sich daraus die Erlaubnis, dieses Zeitwort ״erkennen״ auch da im sexuellen Sinne zu verstehen, wo nicht ״sein Weib״ dabei steht? Auch diese Frage zu bejahen, ist willkürlich. Indes man meint, auch die Ausdrücke ״gut und böse״, die beim verbotenen Baum da3 Objekt des Erkennens bezeichnen, für die neue Deutung verwerten zu können. Schon mehrere Ausleger, von denen der neueste Haupt- Vertreter der sexueller! Deutung des Abschnitts 1. Mos. 2, 9fffreilich keinen erwähnt, haben behauptet: ״Gut und böse haben 1j Sie sind alle in meiner ״Stilistik‘‘, S. 81 vorgeführt und aus andern Literaturen beleuchtet. 2) Das hat auch wieder Konrad Schmidt, Das schaffende Wort {1921), S. 23 nicht bedacht, indem er sich ebenfalls auf Spr. 30, 20 beruft.

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