Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 368

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 368 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293004-2293009--05193-2298476
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

36S «bhbmbbeb Die modernste Deutung usw. müssen weiter alle anderen Züge in jener alten Erzählung nach ihrem Verhältnis zur sexuellen Deutung befragt werden, und für den weiteren Gang der Untersuchung muss natürlich die Regel gelten, dass diejenigen Umstände nichts entscheiden können, die eine solche Deutung etwa als möglich erscheinen lassen. Vielmehr können nur die Momente von entscheidendem Gewicht sein, die eine solche Auffassung entweder erzwingen oder verhindern. Folgen wir nun mit diesem kritischen Massstab dem Vorgehen der neueren Vertreter der sexueller Deutung von 1. M03. 2, 9 ff. und hauptsächlich des obengenannten neuesten unter ihren Wortführern! I. Bei den Worten ״Darum wird ein!dann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhängen, und sie werden sein Ein Fleisch“ (2,24) bemerkt man: ״Jetzt ist der Moment gegeben, zu sagen, wie sich der erste Mensch und sein Weib geschlechtlich fanden. Woher kam ihnen denn das sexuelle Wissen?“ (S. 18). Aber eine Aussage darüber erwartet vom Texte nur der, welcher jene alte Erzählung auf das Niveau eines gemeinen Romans hinabdrücken zu dürfen meint, und hat jener biblische Erzähler nicht auch das Erlernen anderer Betätigungen, wie z. B. des Essens, der Natur der Dinge oder der Beobachtung der Umwelt überlassen? Ausserdem erlaubt sich ein solcher Ausleger auch, den Ausdruck ״Ein Fleisch“ (eine innigst verbundene Doppelgrosse oder ein Wesen) bloss ז im körperlichen Sinne zu verstehen. In jener Erzählung aber ist das Weib unmittelbar vorher (V. 23) als die dem Manne entsprechende Gehilfin begrüsst worden, weil sie ausser dem aufrechten Gange auch das geistsprühende Auge, das lebhafte Mienenspiel und das seelenvolle Lächeln zeigte, was alles er vorher (V. 20) an den Tieren vermisst hatte. Nach jenem Er- Zähler gehören die seelischen Eigenschaften des weiblichen Wesens mindestens auch zu den Motiven, die den Mann in ihm einen guten Kameraden finden lassen. Hüte man sich also auch deshalb, jene Erzählung von ihrer Höhenlage herabzuziehen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.