Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 367 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die modernste Deutung usw. 367 gemacht werden, ob ihr Ausgangspunkt sich als ״willkürlich“ und deshalb wenig glaubhaft ansehen lässt. Zweitens kann aber auch gezeigt werden, dass das Verbot des Essens vom Baum in der Mitte wirklich nicht ״willkürlich gewählt“ ist, wenn auch aus andern Gründen, als mit denen jener Fragesieller seine Frage verneint. Dieser nämlich behauptet, die verbotene Frucht sei ein Apfel gewesen, und deswegen nicht willkürlich gewählt. Denn schon dieser Apfel spiele als Bild für die weibliche Brust jenes Verbot und dessen Uebertretung auf das erotische Gebiet hinüber. Aber von welcher Art der Baum, dessen Früchte verbDten wurden, gewesen ist, steht nicht im Texte von 1. Mos. 2,9 usw., und unter den mehreren Vorschlägen, diese Art zu bestimmen, ist der Gedanke, dass jener Baum zu den Apfelbäumen gehört habe, erst sehr spät hervorgetreten, indem man sich von dem Zusammenklang der Worte mal um ״Böses“ und rnalus ״Apfelbaum“ anregen liess.1) Ferner müssten, auch wenn ein Apfelbaum gemeint gewesen wäre, dessen Früchte nicht auf die weiblichen Brüste oder gar; wie es in jenem Aufsatze mit Zuhilfenahme des Feigenblattes auch heisst (S. 19. 24. 27), auf den weiblichen Geschlechtsteil hinweisen. So demnach meint man neuestens, jenes Verbot vom Charakter der Willkürlichkeit befreien zu mü3sen. Aber das Verbot, von jenem Baume zu essen, war auch dann keineswegs .,willkürlich gewählt“, wenn es nicht so auf jene geschlechtlichen Dinge hinzielte. c Denn da die Menschen sich in einem Garten aufhielten, der mit allerlei Bäumen bepflanzt worden war (1. Mos, 2, 9), war es ein ganz natürliches und naheliegendes Mittel, die Dankbarkeit und den Gehorsam der Menschen zu prüfen, indem ihnen die Vermeidung der Früchte eines einzelnen unter den Bäumen geboten wurde. Doch war dies nur ein allererster Anfang in der Untersuchung des zur Entscheidung vorgelegten Problems. Nun *) Vgl. Oskar Dähnhardt, Natur3agen, Bd. I (1908), S. 210, wo auch die jüdische CJeberlieferung, dass der Ethrog, eine Citronenart, die ver״ botene Frucht gewesen sei, zu Worte kommt