Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 365 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Samson Raphael Hirsch als Erzieher 365 Trost und Bürge für die Greise; doch das ist er gewesen. Aber für alle Zeiten bleibt er, und das durch seine Schriften, der Erzieher unseres Volkes. Wir nannten diese Schriften: ״Reden an die jüdische Nation‘4. Wir dachten an Fichte, aber hier ist mehr als Fichte. Wie kalt und schal erscheinen uns heute diese Reden an die deutsche Nation und wie warm und lebendig und jugendfrisch die Reden an die jüdische. Freilich dort das Thema des Patriotismus, wenn auch für uns nicht wie für Lessing eine heroische Schwachheit, so doch immerhin ein menschliches Ideal, und hier das Gesetz des lebendigen Gottes, des Menschen Heil und seine Seligkeit, gedeutet von einem gottbegnadeten Sänger und Weisen. Und der Erfolg? Wäre es nicht nun bald zwei Jahrtausende Israels Schicksal von Prüfung zu Prüfung schreiten, wäre nicht an der Wiege unseres Volkstums uns mitgegeben das ״Und dennoch“, das uns die schwersten, trübsten Zeiten überdauern liess, wir müssten verzagen. Wir können die Ereignisse an sich freilich nicht zum Vergleich stellen,# dort die Erhebung gegen den fremden Eroberer, der Befreiungskrieg und seine Folgen, hier die Renaissance des gesetzestreuen Judentums. Aber sind die Ausstrahlungen einer Lichtquelle, wie sie in Hirschs Schriften gegeben ist, in unsere Kreise nicht gar zu winzig, sind die Wirkungen einer solchen Persönlichkeit, wie sie bis jetzt in die Erscheinung getreten sind, nicht gar zu spärlich, fand der grosse Moment nicht ein kleines Geschlecht? Wir können’s nicht leugnen. Der Traum, den Hirsch geträumt, das Judentum, das unser ist, in altem Glanze wieder zu erblicken, dass in den Stätten alter Talmudherrlichkeit die Heldenjünger um die alte Fahne sich zusammenscharten, dass überall sich wieder blühende Gemeinden zu frommen Wirken nach der Väter Art erhöben, er blieb bisher ein Traum! Und wollten wir, und wenn wir wollten, es bliebe nicht ein Traum! 0 dass in diesen Tagen der Funke zündete in tausenden von Herzen, der Funke, der auch jetzt noch glüht in seinen Worten, der Funke, der entstammt dem Feuer unseres göttlichen Gesetzes! Dass der Entschluss in ihnen reifte: Wir wollen lernen,