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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 364

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 364 (sequence 22)
Language
German
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364 Samson Raphael Hirsch als Erzieher Kindes Stolz ist es »gross״ zu sein und »gross sein״ bedeutet dem jüdischen Kinde dem Gottesgesetze vollen Gehorsam zu leisten״. Oder man vergleiche mit dem ausgezeichneten Abschnitt ״Erziehung zur Selbstständigkeit״ in Försters ״Jugendlehre״ in der er in trefflicher Weise zeigt, dass es unsere Hauptaufgabe sein muss, das Kind dahin zu führen, dass es seine eigenen Wege geht, unbekümmert um die Anfeindungen, die es dadurch von seiner Umgebung erfährt, man vergleiche damit was Hirsch (in demselben Programm) über den Wert des Minoritätsbewusstseins für die Charakterbildung sagt. Aus vielen Stellen seiner Schriften geht es hervor, dass er, der ein Lehrer der Grossen war, auch in die Seele der Kleinen sich vertiefen konnte. Goldene Worte spricht er über die individuelle Behandlung des Kindes, und unwiderleglich, wenn auch noch nicht allgemein anerkannt, sind seine Ausführungen I über das völlig widersinnige, unpädagogische und Geist und Gemüt des Kindes verwirrende Erziehungsmittel der Märchenerzählungen. Hier möchte ich einen kleinen Zug einfugen, der, mehr als alle theoretischen Erörterungen es könnten, ihn als den echten Kinderlehrer zeigt, aus dem die Liebe zu den Kindern in herzerquickender Frische hervorbricht. Er ist mir von einem Augenzeugen berichtet worden. In der Synagoge zu Frankfurt stellten sich die Kinder während der Predigt in den grossen freien Raum vor die Kanzel. Hirsch war mitten in seiner Predigt, als mehrere Kinder zu weit vor drängten, und der Vorsteher herantrat, um sie zurückzuführen. Da unterbrach Hirsch seine Predigt: Herr . . . lassen Sie die Kinder, ich spreche zu den Kindern, für die Kinder, und nun folgte eine seiner wirkungsvollsten Predigten, in der er, halb zu den Kindern, halb zu den Erwachsenen gewandt, den Wert und die Bedeutung des Kindes für die Zukunft des Judentums schilderte. Aber was er seinen Zeitgenossen gewesen und dem engeren Kreis seiner Gemeinde, das gehört nicht der Vergangenheit an — es wirkt noch hinein in die Gegenwart und noch hinüber in eine nahe Zukunft, wenn auch nur mittelbar. Er war der Lehrer der Kinder, das Vorbild der Jünglinge, der Vorkämpfer der Männer,

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