Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 362 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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362 Samson Raphael Hirsch als Erzieher Mitteln arbeitet, so das Genie. Die schlichteste Beobachtpig, ein Vorgang, den Unzählige gesehen, wird ihm zum Ausgangspunkt einer epochalen Entdeckung oder Erfindung. So Hirsch in seinen Schriften. Immer wieder müssen wir es bedauern, dass wir im Rahmen dieses Aufsatzes nur wenige Beispiele bringen können. Das Schewuothfest, so wird in einer Siwanbetrachtung1) ausgeführt, das Fest der Gesetzgebung, das grundlegende und wichtigste, ist auf nur einen Tag beschränkt, und die Feier ist nicht mit einem Gebot verknüpft, die Thora hat kein Symbol. Aus dieser Idee, diesem Samenkorn eines Gedankens entfaltet sich vor unsern Augen Wurzel und Stamm und Gezweig unseres Lebensbaumes, das ganze Wesen der jüdischen Religion, der fundamentale Unterschied zwischen der Thora und den heiligen Urkunden der Völker, zwischen dem Begriff Gesetz und dem der ״Religion“. Und eine andere Siwanbetrachtung2). ״Es sprach — Gott— alle diese Worte — zur Mitteilung“. Es ist vielleicht der schlichteste Satz aus den Kapiteln über die Offenbarung am Sinai zum Ausgangspunkt gewählt, und wie reich beschenkt kehren wir von dieser Betrachtung heim! Zugleich ist diese Art ein gutes Stück graudiosen Anschauungsunterrichts. Dass ״das Mass der Thora weiter ist als die Erde und breiter denn das Meer“, das kann nicht deutlicher und dauernder dem Bewusstsein eingeprägt werden als durch eine Betrachtungsart, der das unscheinbarste Moment, die schlichteste Bibelstelle Gelegenheit gibt, uns zu zeigen, wie die Quelle des Thoragesetzes, des Thorawortes in überschäumender Fülle auch an unbesuchten und ungekannten Orten sprudelt. Samson Raphael Hirsch als Erzieher! Wie er es mir durch seine Schriften gewesen und warum er es mir gewesen, habe ich zu zeigen versucht, und dass diese seine Wirksamkeit auf psychologischen Gesetzen beruht und darum an jedem jungen *) Ges. Sehr. I S. SO ff. 2) Ges. Sehr. III S. 163 ff.